Wildunfall: Was ist zu tun und was ist versichert?

Ist man in der Zeit des Wildwechsels in ländlichen Gebieten unterwegs, kann es schon mal vorkommen, dass ein Reh Bekanntschaft mit dem Kühlergrill des eigenen Wagens macht oder man unerwartet wildes Feder- oder Kleinvieh rammt. Dies ist leider auch an der Anzahl von Kadavern zu beobachten, die man zu dieser Zeit am Straßenrand zunehmend vorfindet. Schon der Anblick beim Vorbeifahren sorgt für Wehmut. Was aber wenn man plötzlich selbst in einen Wildunfall verwickelt ist? Wann und wo muss der Unfall gemeldet werden und muss ich das tote Tier selbst von der Fahrbahn entfernen? Welche Versicherung zahlt? Wir haben alle wichtigen Informationen für Sie.

In der Morgen- und Abenddämmerung bei Übergangsbereichen zwischen Wald und Feld passieren die meisten Wildunfälle. Aus diesem Grund sollte man dort vorsichtig (bremsbereit) und mit stets wachsamen Augen fahren, vor allem da in der Herbst- und Winterzeit die Fahrbahn ohnehin schon durch Laub, Nässe und Glätte beeinträchtigt sein kann. Zudem treiben beispielsweise hohe Schneemassen, welche im ländlichen Raum nicht selten vorkommen, die Tiere vermehrt auf die Straßen, da es sich dort natürlich leichter wandern lässt als durch den weichen Schneemantel.
Kreuzt also ein Tier vor Ihnen die Straße, dann sollten Sie mehrmals kurz hupen und bremsen. Scheint der Zusammenstoß mit einem großen Wildtier unvermeidbar, dann lieber nicht unbedacht ausweichen, sondern stark bremsen und das Lenkrad gut festhalten.

Was tun bei einem Unfall?

Ist der Crash passiert, dann bleiben Sie stehen. Warnblinker, Warnweste und Pannendreieck sind wie immer zu verwenden um die Unfallstelle abzusichern. Dann gilt es den Unfall bei der Polizei oder dem örtlichen Jagdaufseher zu melden. Durch eine Anzeige machen Sie sich nicht strafbar. Im Gegenteil sogar. Tun Sie das nicht, begehen Sie Fahrerflucht, ganz zu schweigen davon, dass es ethisch nicht vertretbar und schlichtweg Tierquälerei ist, ein angefahrenes Tier einfach verletzt liegen zu lassen. Selbiges gilt übrigens auch, wenn das Tier wieder aufsteht und davonläuft. Zudem benötigen Sie für Ihre Kaskoversicherung eine polizeiliche Meldebestätigung.
Bei Unfällen mit Haus- oder Nutztieren sollte, wenn möglich, der Besitzer selbst informiert oder ansonsten ebenso die Polizei verständigt werden.
 
Unfall mit Tier
 

Was ist mit dem angefahrenen Tier zu tun?

Ein verletztes oder totes Wildtier sollten Sie auf keinen Fall berühren und schon gar nicht mitnehmen oder zum Tierarzt bringen, denn dann würden Sie sich wegen Diebstahl strafbar machen. Verletzte Wildtiere können außerdem aggressiv sein und zum anderen besteht Tollwut-Gefahr. Bleiben Sie am besten an der Unfallstelle bis der Jagdaufseher oder die Polizei vor Ort sind, um diese abzusichern bzw. das Tier von der Fahrbahn zu entfernen.

Welche Versicherung zahlt bei Wildschäden?

In der KFZ Teil- bzw. in der Vollkaskoversicherung sind Wildunfälle versichert. Hier sind die Deckungen aber oft unterschiedlich und es wird zwischen Haar- und Federwild unterschieden. Die Teilkasko zahlt oft nur bei Haarwild. Prüfen Sie hier also am besten die Versicherungsbedingungen.
Unfälle mit Haus- oder Nutztieren sind in der Regel nicht gedeckt, da in diesem Fall der Tierhalter für alle Schäden haftet. Eine Ausnahme von der Tierhalterhaftung wäre, wenn der Halter beweisen kann, dass er das Haustier ordentlich verwahrt hatte.

Wenn man „Bambi“ nicht mehr ausweichen kann, bezahlt die Kaskoversicherung also meist die Schäden am eigenen Auto, jedoch auch nur mit polizeilicher Meldebestätigung des Unfalls. Als Fahrer unterliegen Sie außerdem auch der Beweispflicht, dass Sie an einem Wildunfall beteiligt waren. Noch am Unfallort sollten Sie also Fotos von allen Schäden am Fahrzeug machen, damit die Versicherung den Wildunfall später nicht anzweifeln kann.
 
Wildunfall was ist versichert
 

Unfall nach Vollbremsung oder Ausweichmanöver

Wer wegen eines Tieres bremst, riskiert ein Mitverschulden bei einem Auffahrunfall. Mitverschulden heißt, dass Sie dann einen Teil des Schadens selbst tragen bzw. dem Auffahrenden einen Teil von dessen Schadens ersetzen müssen. Ob das Bremsmanöver gerechtfertigt ist und es damit nicht zu einem Mitverschulden Ihrerseits kommt, hängt von der Größe des Tieres ab. Je größer das Tier, desto eher ist eine Vollbremsung aufgrund erhöhter Gefahr gerechtfertigt, zum Beispiel bei einem Reh, Hirsch und bei großen Hunden; nicht aber etwa bei Igel, Hasen und Katzen. Hier geht die Rechtsprechung davon aus, dass man einen Teil des Schadens selbst übernehmen muss. Dies gilt auch dann, wenn der nachfolgende Fahrer zu wenig Abstand gehalten hat.
 
Wildunfall Kleintiere versichert?
 
Trifft einen also aufgrund der Größe des Tieres keine Schuld, so übernimmt die KFZ-Haftpflicht des Unfallgegners den Schaden. Bei Mitschuld wird der Schaden aufgeteilt und man muss einen Teil der Kosten selbst übernehmen, sofern man keine KFZ-Kaskoversicherung hat.
Bei Unfällen nach riskanten Ausweichmanövern, zum Beispiel wenn Sie auf die Gegenfahrbahn auffahren, ist von Ihrem Verschulden auszugehen.

Alexandra
Alexandra bloggt für den LAMIE Versicherungsblog über allgemeine Versicherungsthemen und Tipps. Außerdem erstellt sie leidenschaftlich gerne Checklisten. Wie alle Mitglieder des LAMIE Teams, möchte sie schwierige Versicherungsfragen auf einfache Weise darstellen. Für Anregungen, Wünsche oder detaillierte Fragen erreichen Sie Alexandra unter blog@lamie-direkt.at