Haustier: Welche Tierversicherungen brauche ich wirklich?

Wir leben in einem sehr tierfreundlichen Land. Schätzungen zufolge gibt es in Österreich ungefähr 1,5 Mio. Katzen und 600.000 Hunde. Laut einer Erhebung der Statistik Austria verbringen die Österreicher täglich sogar 45 Minuten mit der Pflege und Versorgung des Haustieres. Ein Leben ohne Haustier ist für viele undenkbar, gehören die Fellnasen doch zur Familie. Nicht verwunderlich, dass Herrchen und Frauchen auch immer mehr für den Versicherungsschutz Ihrer Lieblinge sorgen. Katzenversicherung, Hundehaftpflichtversicherung, Tierkrankenversicherung etc. – erfahren Sie jetzt welche Versicherungen es für Haustiere gibt und welche davon sinnvoll oder sogar verpflichtend sind.

Rein gesetzlich betrachtet, gibt es zwei Begriffe zu unterscheiden: Haustiere und Heimtiere. Haustiere sind laut Gesetz „domestizierte Tiere der Gattungen Rind, Schwein, Schaf, Ziege und Pferd mit Ausnahme exotischer Arten, sowie Großkamele, Kleinkamele, Wasserbüffel, Hauskaninchen, Hauskatzen, Haushunde, Hausgeflügel und domestizierte Fische“. Heimtiere sind dagegen Tiere, die aus Freude am Tier gehalten werden; dazu zählen „Fleischfresser, Nagetiere, Hasenartige, Papageienvögel, Finkenvögel, Taubenvögel und […] Fische.“ Halten Sie also einen Leguan oder eine Schildkröte zu Hause, zählen diese nicht zu den Haus- oder Heimtieren, sind aber unter artgerechter Haltung zugelassen.

Entscheidet man sich dann für einen tierischen Gefährten, gibt es einige organisatorische Vorkehrungen zu treffen. Dazu zählt auch die Auswahl von Versicherungen. Aber nicht alle Tierversicherungen sind wirklich notwendig; so ist beispielsweise in manchen Bundesländern Österreichs eine Halterhaftpflichtversicherung für Hunde verpflichtend abzuschließen, in anderen wiederrum nicht. Es gibt drei relevante Grundarten von Tierversicherungen:

1. Tierhalterhaftpflichtversicherung

Ein Biss ins Bein der vorbeilaufenden Joggerin oder eine Delle im Fahrzeug nach „Huf-Kontakt“: Für Hunde- und Pferdebesitzer ist eine Tierhalterhaftpflichtversicherung sehr zu empfehlen. In Wien, Oberösterreich, Salzburg, Tirol und der Steiermark ist die Hundehalterhaftpflicht sogar verpflichtend. Verursacht ein Tier Schaden an fremdem Eigentum oder Personen, wird der Tierhalter vor Schadenersatzansprüchen Dritter geschützt. Ansprüche aus Personenschäden können schnell ins Unermessliche schießen – etwa wenn die gebissene Joggerin Leistungssportlerin war – deswegen sollte die Deckungssumme hoch gewählt werden. Tierhalterhaftpflichtversicherungen sind meist nicht teuer, vor allem wenn man die Höhe der Deckungssummen bedenkt. Für eine Prämie von ca. 40 € pro Jahr erhält man eine Deckungssumme von ungefähr 3 Mio. €.

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Und für Katzen?
Schäden, die durch Katzen oder Kleintiere verursacht werden, sind meist von der privaten Haftpflichtversicherung gedeckt – diese ist in Österreich normalerweise in der Haushaltsversicherung inkludiert. Schäden wegen falscher Haltung werden jedoch nicht übernommen.

2. Tierkrankenversicherung

Tierarztbehandlungen können schnell ins Geld gehen. Einige Versicherer bieten daher spezielle Tierkrankenversicherungen an, welche die Kosten für Behandlungen und Medikamente decken sollen. Die Polizzen sind meist sehr teuer, sehen Selbstbehalte vor und decken längst nicht alle Behandlungen. Zusätzlich werden häufig nur gesunde Haustiere versichert; alte Tiere und Tiere mit Vorerkrankungen können wenn überhaupt nur mit Ausschlüssen oder erhöhten Prämien versichert werden. Vorsorgeuntersuchungen und häufig vorkommende Behandlungen wie Impfungen oder Entwurmungen sind oft ebenfalls nicht im Paket enthalten, genauso wie rassetypische Erkrankungen. Daher ist es in der Regel günstiger, gelegentliche Tierarztbesuche aus eigener Tasche zu bezahlen.

Und wer jetzt vorhat, eine Tierkrankenversicherung erst dann abzuschließen wenn das Tier krank wird, kann den Gedanken gleich wieder verwerfen. Es gibt nämlich in der Regel eine Wartezeit von 3 Monaten.

3. OP-Versicherung für Haustiere

Die OP-Versicherung lohnt sich schon eher. Diese kommt für die Kosten auf, wenn ein Tier aufgrund eines Unfalls oder einer Krankheit operiert werden muss. Dabei ist vor allem auf größere Tiere wie Katzen, Hunde und Pferde abzustellen. Operationen von Kleintieren (Hamster, Hase) sind meist günstiger und benötigen daher keinen Versicherungsschutz.

Beachten sollte man hier, dass die Versicherungsleistung oft begrenzt ist, und zwar auf die in der Honorarordnung der Tierärztekammer vorgeschriebenen Honorarsätze. Verlangt der Tierarzt mehr, muss der Versicherungsnehmer die Differenz selbst bezahlen. Außerdem sind auch bei der OP-Versicherung gewisse Ausschlüsse zu bedenken. Dazu gehören beispielsweise Sterilisationen, Kastrationen sowie bestehende Vorerkrankungen. Auch Erbkrankheiten sind beim Großteil der Angebote nicht vom Versicherungsumfang umfasst.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass es eine Reihe an Tierversicherungen mit großen Leistungsunterschieden gibt. Ein Versicherungsvergleich ist unbedingt notwendig. Das Urteil darüber, welche davon sinnvoll sind und welche nicht, bleibt schlussendlich jedem Tierhalter selbst überlassen. Außerdem hängt das auch sehr stark vom Tier selbst ab. Wichtig ist jedenfalls, auf eine ausreichende Deckung bei der Tierhalterhaftpflichtversicherung zu achten.

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Alexandra
Alexandra bloggt für den LAMIE Versicherungsblog über allgemeine Versicherungsthemen und Tipps. Außerdem erstellt sie leidenschaftlich gerne Checklisten. Wie alle Mitglieder des LAMIE Teams, möchte sie schwierige Versicherungsfragen auf einfache Weise darstellen. Für Anregungen, Wünsche oder detaillierte Fragen erreichen Sie Alexandra unter blog@lamie-direkt.at