Wer zahlt den Wasserschaden: Vermieter oder Mieter?

Wasserschäden gehören zu den häufigsten und auch nervigsten Schäden in Wohnhäusern. Neben der meist mühsamen und lang andauernden Aufklärung und Reparatur kommt es oft zur Streitfrage: Wer muss für den Wasserschaden aufkommen? Der Vermieter oder der Mieter? Wessen Versicherung übernimmt den Schaden? Wir haben klare Antworten für Sie.  

Diese Wasserschäden sind Sache des Vermieters 

Der Vermieter muss sich grundsätzlich um alle jene Wasserschäden am und im Gebäude kümmern, die durch Schäden an Wasserleitungen entstehen. Nach den allgemeinen Regelungen des ABGB kann die Erhaltungspflicht der Wohnung zwar frei vereinbart werden, kommt beim Mietvertrag jedoch das Mietrechtsgesetzt (MRG) zur vollen Anwendung, so trifft den Vermieter jedenfalls die Erhaltungspflicht der Wohnung und muss er dafür sorgen, dass die Wohnung auch bewohnbar ist. Dazu gehört auch die Beseitigung von Feuchtigkeitsschäden an Wänden, Decken oder Fußböden durch Rohrbruch. Schäden an Zu- und Abflussleitungen im Mauerwerk fallen ebenfalls in den Zuständigkeitsbereich der Hausverwaltung. 

Wichtig ist, dass reparaturbedürftige Schäden (anzeigepflichtig!) ehestmöglich dem Vermieter oder der Hausverwaltung gemeldet werden. Unternehmen Sie keine Reparaturarbeiten auf eigene Faust, es sei denn, es ist Gefahr im Verzug. Nur in diesem Fall können Sie vom Vermieter in Nachhinein Kostenersatz verlangen.  

Leitungswasserschäden an Gebäudebestandteilen, wie zum Beispiel an Bodenbelägen, Fliesen, Tapeten, Wandverkleidungen, vorhandenen Einbaumöbel etc. kann der Vermieter seiner Gebäudeversicherung melden. 

Für diese Schäden ist der Mieter verantwortlich 

Die Mieter haften für alle Schäden am Gebäude sowie an eigenen Möbeln, die durch eigene Geräte oder Anlagen stehen, etwa wenn ein gerissener Schlauch des Geschirrspülers in der Küche zu einer Überschwemmung führt. Für Leitungswasserschäden am beweglichen Wohnungsinhalt kommt die Haushaltsversicherung des Mieters auf – auch dann, wenn wie oben erwähnt die Schadenursache am Gebäude liegt und vom Vermieter beseitigt werden muss. Teilweise sind auch Gebäudezubehör und Baubestandteile, wie Malereien, Tapeten, Fliesen, Bodenbeläge, Wand- und Deckenverkleidungen in der Haushaltsversicherung gedeckt. Meist muss man dies jedoch extra mitversichern. Führt der Wasseraustritt aus einem Ihrer Geräte zu einem Schaden in der Wohnung Ihres Nachbarn, dann kommt für die Deckung etwaiger Schadenersatzansprüche des Nachbarn Ihre Haftpflichtversicherung auf. 

Ein Problem kann es zudem bei Badezimmereinbauten oder Einbaumöbel und -küchen geben. Nämlich dann, wenn diese vom Mieter selbst angeschafft und eingebaut wurden, jedoch in der Haushaltsversicherung laut den Versicherungsbedingungen nicht zu den beweglichen Sachen gezählt werden. Hier kann der Versicherungsschutz bei Wasserschäden strittig sein.  

LAMIE Tipp: Wir empfehlen Ihnen, sich von Ihrem Versicherer bestätigen zu lassen, dass Ihre Einbaumöbel und -küche als Hausrat versichert sind, oder dass eben diese in den Versicherungsschutz aufzunehmen sind. In der LAMIE Haushaltsversicherung wird zwischen Einbaumöbeln und beweglichen Möbeln in Küche und Bad nicht unterschieden. Beides ist gleichermaßen versichert. 
 
Wasserschaden wer zahlt
 

Wartungspflicht verletzt 

So wie dem Vermieter bzw. der Eigentümergemeinschaft grundsätzlich die Erhaltung des gesamten Gebäudes und dem Vermieter die Erhaltung der Wohnung obliegt, treffen den Mieter gewisse Wartungspflichten innerhalb der Wohnung. Damit haftet der Mieter für Schäden, die entstanden sind, weil er dieser Wartungspflicht nicht nachgekommen ist (z.B. Wasserleitungen warten, Armaturen entkalken, Siphon reinigen und Heizkörper entlüften. Ob die Erneuerung brüchiger Silikonfugen zur Wartungspflicht des Mieters zählt, hängt jedoch von der Art des Mietverhältnisses ab. In Altbauten (Baubewilligung vor 1945) trifft die Erneuerung grundsätzlich den Mieter. In neueren Bauten bedarf es der Durchsicht des Mietvertrages, denn diese dürfen Regelungen zu Erhaltungsarbeiten beinhalten. Führen die Vereinbarungen im Mietvertrag im Einzelfall zu einer Überwälzung von Pflichten auf den Mieter, so sind diese jedenfalls nichtig.3 In Genossenschaftswohnungen ist die Gemeinnützige Bauvereinigung zur Erneuerung der Fugen verpflichtet.
Schäden am Mobiliar, die so entstehen, übernimmt wie oben erwähnt, die Haushaltsversicherung. Die Reparatur der Anlagen kann hier zur Streitfrage werden, nämlich dann, wenn der Vermieter sich weigert, seine Gebäudeversicherung damit zu beauftragen.5 Hier kann es sein, dass der Mieter den Schaden aus eigener Tasche zahlen muss. Fallen Ihnen Mängel auf, deren Behebung in den Zuständigkeitsbereich des Vermieters fällt, so müssen Sie ihm diese auch unverzüglich anzeigen. Bleibt der Vermieter daraufhin untätig und tritt aufgrund seiner unterbliebenen Handlung ein Leitungswasserschaden ein, so haben Sie unter Umständen ein Recht auf Mietzinsminderung und Schadenersatzansprüche für etwaige entstandene Beschädigungen an Ihrem Hausrat. 

Verschulden 

Selbstverständlich muss der Mieter auch für jene Wasserschäden aufkommen, die durch sein Verschulden entstanden sind. Etwa wenn dieser die Waschmaschine unbeaufsichtigt laufen lässt oder die Rohre durch Entsorgung von Abfall selbst verstopft.6 Bei solchen Schäden ist zu bedenken, dass die Haushaltsversicherung (bewegliche Sachen) hier nur einspringt, wenn grobe Fahrlässigkeit mitversichert ist.  

Egal wer nun schuld oder verantwortlich ist, in jedem Fall sollten Sie bei einem Wasserschaden schnell reagieren und den Schaden so gut es geht mindern (z.B. Hauptwasserhahn abdrehen, ausgelaufenes Wasser aufsaugen oder bei einer schnellen Ausbreitung die Feuerwehr). Es empfiehlt sich auch, den Schaden auf Fotos festzuhalten. Was bei einem Wasserschaden konkret zu tun ist, können Sie in unserer praktischen Checklist nachlesen. 

Alexandra
Alexandra bloggt für den LAMIE Versicherungsblog über allgemeine Versicherungsthemen und Tipps. Außerdem erstellt sie leidenschaftlich gerne Checklisten. Wie alle Mitglieder des LAMIE Teams, möchte sie schwierige Versicherungsfragen auf einfache Weise darstellen. Für Anregungen, Wünsche oder detaillierte Fragen erreichen Sie Alexandra unter blog@lamie-direkt.at