Wasserschaden im Keller – Hausverwaltung oder Versicherung?

Ein gewöhnliches Miethaus mit mehreren Mietwohnungen. Eines Tages dringt durch eine Kellerwand Wasser ein. Wochenlang ist der Kellerraum überflutet. Der Schaden bleibt lange unbemerkt. Die Mieter werden viel zu spät informiert. Doch wer kann dafür zur Verantwortung gezogen werden? Wenn sich Versicherung und Hausverwaltung den Ball hin und her spielen – eine wahre Geschichte einer Leserin des LAMIE Blogs.

Im Juni letzten Jahres teilte der Hausmeister eines Miethauses der Hausverwaltung mit, dass durch eine Kellerwand im Bereich der Telefonleitungen Wasser eindrang. Dies führte dazu, dass der Keller über mehrere Wochen unter Wasser stand und die persönlichen Gegenstände in den Kellerabteilen der Mieter beschädigt wurden.

Um gegen die Überflutung vorzugehen, ließ die Hausverwaltung Trocknungsgeräte aufstellen. Leider ohne Erfolg. Nur durch Zufall entdeckte Katrin, Leserin des LAMIE Blogs, zwei Wochen später, dass das Wasser in ihrem Kellerabteil immer noch 3 cm hoch stand. Um genauere Informationen zur Ursache sowie um Benachrichtigung der anderen Mieter, musste Katrin ihre Hausverwaltung nahezu anflehen. Die Information erreichte deshalb erst dann die Mieter, als der Schaden an den persönlichen Gegenständen bereits eingetreten war. Die Abdichtung und Trockenlegung des Kellers ließ noch länger auf sich warten.

Aus der Gebäudeversicherung der Hausverwaltung konnte man leider keinen Schadenersatz für die Mieter erwarten, da fremder Hausrat nicht versichert sei. Und als wäre die ganze Geschichte noch nicht genug, verwies die Hausverwaltung ihre Mieter an die jeweilige eigene Haushaltsversicherung. Die Haushaltsversicherung von Katrin lehnte den Schaden auch ab, da es sich nicht um einen Leitungswasserschaden handle.

Katrin erzählte uns diese Geschichte und bat uns um Rat in rechtlichen und versicherungstechnischen Fragen. Wir antworteten ihr:

 

Schaden in der Haushaltsversicherung der Mieter nicht gedeckt

Die Ablehnung durch Katrins Haushaltsversicherung ist in diesem Fall leider berechtigt. In Haushaltsversicherungen ist üblicherweise nur der Leitungswasserschaden (z.B. durch Rohrbruch) versichert; nicht aber, wenn durch eine undichte Stelle in der Hausmauer Oberflächenwasser eindringt und den Keller unter Wasser setzt.

LAMIE-TIPP In Haushaltsversicherungen mit einer sogenannten „Allgefahrendeckung“ (in Österreich eher selten) sind solche „unbenannten Gefahren“ versichert. In der LAMIE Premium Variante der Haushalts– und/oder Eigenheimversicherung sind unbenannte Gefahren jedenfalls versichert.

 

Einzige Lösung: Mögliche Haftung der Hausverwaltung

Die Hausverwaltung haftet für Schäden, die durch die Verletzung der Instandhaltungspflicht am Gebäude entstehen. Ihre Instandhaltungspflicht hätte die Hausverwaltung etwa dann verletzt, wenn sie die Undichtheit bei der Kabeleinleitung entweder bemerkt hat oder hätte bemerken müssen – etwa weil es z.B. ganz offensichtlich ein Loch in der Außenwand gab – und sie nichts dagegen unternommen hat.

Leider hat sich hier eine solche Verletzung der Instandhaltungspflicht im Nachhinein nicht mehr feststellen lassen. Fotos gibt es keine. Daher ist es hier eher schwierig, eine Haftung der Hausverwaltung nachzuweisen.

LAMIE-TIPP Machen Sie in so einem Fall unbedingt Fotos, sprechen Sie auch mit den anderen Parteien des Hauses und ziehen Sie die Hausverwaltung gegebenenfalls gemeinsam zur Verantwortung. Etwa indem Sie ein Forderungsschreiben an den Hausverwalter richten; der Schaden sollte üblicherweise in der bestehenden Haftpflichtversicherung des Hausverwalters gedeckt sein.

Haben Sie auch einen ähnlichen Fall erlebt oder hatten bereits Ärger mit Ihrer Hausverwaltung? Gerne unterstützen wir Sie kostenlos in Versicherungsfragen.

Michael
Michael ist Mitglied des LAMIE Teams und Blogging-Pragmatiker. Sein Spezialgebiet sind Versicherungen rund um’s Wohnen. Die wichtigen Informationen rund um die Eigenheimversicherung, Haushaltsversicherung und Haftpflichtversicherung möchte er so einfach wie möglich darstellen und versteckte Ausnahmeregelungen aufzeigen. Für Anregungen, Wünsche oder detaillierte Fragen erreichen Sie Michael unter blog@lamie-direkt.at