4 Versicherungen für die private Altersvorsorge in Österreich

Die Altersvorsorge in Österreich beruht auf einem 3-Säulen-Modell. Aufgrund der Entwicklung der Alterspyramide prognostiziert man eine mangelnde Finanzierbarkeit der gesetzlichen Pensionsversicherung in der Zukunft. Die private und die betriebliche Altersvorsorge sollen die finanziellen Lücken im Ruhestand füllen. Hinzu kommt die Pflegeproblematik, welche die Kaufkraft im Alter zusätzlich schwächt. Wir haben für Sie die verschiedenen Versicherungen der privaten Altersvorsorge zusammengefasst und deren Unterschiede sowie Vor- und Nachteile aufgezeigt.

1. Die private Pensions- bzw. Rentenversicherung

Bietet das eigene Unternehmen kein betriebliches Altersvorsorgemodell an, steht es natürlich jedem offen, auch selbst in eine Zusatzpension zu investieren. Aufgrund der relativ niedrigen garantierten Rente sind diese oft nur dann rentabel, wenn man sehr alt wird. Die Versicherer kalkulieren derzeit in den angebotenen Tarifen mit einer unverbindlichen Gesamtverzinsung, die meist weit unter dem garantierten Rechnungszins (derzeit bei 0,5%) liegt. Wenn die Erträge auf dem Geld- und Kapitalmarkt niedrig sind, ist die Kostenbelastung nicht zu vernachlässigen und das garantierte Kapital liegt schnell unter den geleisteten Prämien. Die Leistung kann als Einmalertrag oder als lebenslange monatliche Rente ausbezahlt werden. Beim Einmalertrag (sogenanntes Kapitalwahlrecht) ist aber zu beachten, dass eventuelle steuerlich geltend gemachte Sonderausgaben rückzuerstatten sind. Die Leistungen sind am Ende um einiges höher, wenn man einer Indexanpassung der Prämie (2-3% jährlich) zustimmt. Dadurch kann sich allerdings auch die Prämie bis zum Ende der Versicherungslaufzeit verdoppeln.

Ein Beispiel:

Der AK-Rentenversicherungs-Rechner liefert bei einer monatlichen Prämie von 100 € ohne Inflationsanpassung und 35 Jahren Laufzeit eine garantierte lebenslange Mindestrente von 97,22 € (150,17 € als unverbindliche Gesamtrente). Wenn man nun mit 30 Jahren mit der Einzahlung beginnt und mit 65 Jahren in Pension geht, muss man 36 weitere Jahre leben, damit sich das einbezahlte Kapital bei ausbezahlter Mindestrente (42.000 €) amortisiert. In der Praxis kommt es jedoch durch die effektive Gesamtverzinsung zu einem besseren Ergebnis. Diese sind jedoch je Versicherer unterschiedlich und vertraglich geregelt.

Wenn man also eine private Rentenversicherung in Erwägung zieht, sollte man sich genau überlegen, ob sich dies für die individuelle Situation lohnt und ob man das Risiko des Wertverlustes eingehen möchte. Ein umfassender Marktvergleich wird Ihnen auch nicht erspart bleiben, da es sehr viele unterschiedliche Angebote gibt.

2. Erlebens- und Ablebensversicherung

Eine (Er)lebensversicherung ist ein reines Instrument zur Geldanlage und unterscheidet sich auf den ersten Blick kaum von einer privaten Rentenversicherung. Die Auszahlung kann auch hier als Einmalzahlung oder als Rente vereinbart werden. Die Lebensversicherung wird aber nicht erst zum Antritt der Rente ausbezahlt, sondern nach Ablauf der vorher fixierten Laufzeit. Beide haben also einen Altersvorsorgecharakter, nur hängt die Lebensversicherung nicht vom Alter ab.

Davon zu unterscheiden ist die fondsgebundene Lebensversicherung, die den größten Teil der Prämie in Investmentfonds veranlagt. Im Gegensatz zur klassischen Lebensversicherung unterliegt die Veranlagung dabei weniger strengen Richtlinien. Es gilt in der Regel: Je höher der in Aussicht gestellte Ertrag, desto höher ist auch das Risiko. Seien Sie daher vorsichtig, denn es besteht die Möglichkeit hohe Verluste zu erleiden. Die fondsgebundene Lebensversicherung hat in der Regel auch eine Ablebenskomponente.

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Eine Ablebensversicherung ist eine reine Risikoversicherung (auch Risikolebensversicherung genannt) und nur darauf ausgelegt, die Hinterbliebenen bei vorzeitigem Todesfall abzusichern. In diesem Fall erhalten die Begünstigten ein vereinbartes „Todesfallkapital“ ausbezahlt und zwar auch dann, wenn die Einzahlungen dieses noch nicht decken. Stirbt der Versicherten nicht während der Laufzeit, gibt es keine Leistung. Diese Versicherung ist im Vergleich zu den Anlageprodukte relativ günstig und kann in etwa mit den Prämien einer privaten Unfallversicherung verglichen werden.

Schließt man eine Er- und Ablebensversicherung ab, schlägt man sozusagen zwei Fliegen mit einer Klatsche. Dann gibt es Geld nach einer bestimmten Laufzeit (Erleben), oder eben vorzeitig im Todesfall (Ableben). Diese Kombi-Lebensversicherung oder eben eine reine Ablebensversicherung ist vor allem dann sinnvoll, wenn man für den Bau eines Eigenheims einen Kredit aufnehmen möchte. Besonders wichtig ist hier die Kapitalabfindung, mit der beispielsweise Hypotheken im Todesfall getilgt werden und den Hinterbliebenen so eine schuldenfreie Wohnung zum Leben bleiben kann.

3. Sterbegeld- oder Begräbniskostenversicherung

Im Unterschied zur Ablebensversicherung bezieht sich die Sterbegeldversicherung in erster Linie auf die Abdeckung der Bestattungskosten damit die Familienangehörigen diese finanzielle Belastung nicht tragen müssen. Sie ist eine Art Mini-Lebensversicherung, denn es können Versicherungssummen von bis zu 30.000 € abgeschlossen werden. Der Vorteil dieser Versicherung ist, dass der ausgezahlte Betrag einem festgelegten Begünstigten zukommt und das Geld nicht in die Verlassenschaft fällt.
Über die festgelegte Zeit (meist 10 Jahre) wird die Versicherungssumme angespart, dann läuft der Vertrag prämienfrei weiter. Das höchstmögliche Versicherungsalter liegt in der Regel bei 80 Jahren.

Achtung: Es gibt immer eine Aufbauzeit. Sie beschreibt die Zeit, in der die Hinterbliebenen nur Anspruch auf den bisher eingezahlten Betrag haben. Dieser ist in der Versicherungspolizze festgelegt und beträgt meist zwischen einem und drei Jahren. Bei Unfalltod besteht diese Aufbauzeit aber meist nicht. Danach wird die volle Versicherungssumme ausbezahlt, auch wenn die Zeit der Prämienzahlung (meist 10 Jahre) noch nicht beendet ist.

In vielen Fällen übersteigen bei Einhaltung der Laufzeit (abhängig von Alter und gewünschte Versicherungssumme) die eingezahlten Beträge am Ende die Leistung im Todesfall. Dies ergibt sich vor allem durch die Kosten und Steuern, die jede Versicherung verursacht. Die Versicherung zahlt sich bei rein monetärer Betrachtungsweise also groteskerweise oft nur aus, wenn man stirbt, bevor alle Prämien einbezahlt wurden. Da es aber trotz gleicher Voraussetzungen bei der Höhe der Prämien große Unterschiede gibt, sollte man diese vor Abschluss genau vergleichen.
Eine Sterbegeldversicherung ist also vor allem dann sinnvoll, wenn anderweitig keine Ersparnisse vorhanden sind. Außerdem ist im Unterschied zu einer Lebensversicherung meist keine Gesundheitsprüfung notwendig, wodurch auch Menschen mit Vorerkrankungen die Möglichkeit auf einen Abschluss haben.

4. Pflegegeldversicherung

Die Pflegegeldversicherung ist ein weiteres Instrument zur Vermeidung von finanziellen Belastungen für Angehörige. Sie ist von der Funktionsweise meist an das weitgehend unzureichende, staatliche Pflegegeld angelehnt und soll dieses aufstocken. Laut einer AK-Studie kann aber auch diese Leistung die Kosten einer hohen Pflegestufe nicht decken, außer man greift dafür tief in die Tasche. Wie die Ablebensversicherung ist sie eine Risikoversicherung. Man erhält nur eine Leistung, wenn der Fall der Pflegebedürftigkeit eintritt. Es gibt keine Auszahlung nach einer bestimmten Laufzeit. Viele Anbieter leisten außerdem erst ab Pflegestufe 3.
Wir werden das Thema Pflegegeldversicherung für Sie in einem weiteren Beitrag umfassender behandeln.

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Alexandra
Alexandra bloggt für den LAMIE Versicherungsblog über allgemeine Versicherungsthemen und Tipps. Außerdem erstellt sie leidenschaftlich gerne Checklisten. Wie alle Mitglieder des LAMIE Teams, möchte sie schwierige Versicherungsfragen auf einfache Weise darstellen. Für Anregungen, Wünsche oder detaillierte Fragen erreichen Sie Alexandra unter blog@lamie-direkt.at