Versicherung zahlt nicht? 9 Populäre Irrtümer und Mythen

Versicherungen sind nicht sexy, aber trotzdem notwendig um sich gegen gewisse Risiken im Leben abzusichern. So muss man sich wohl oder übel hin und wieder mit dieser eher trockenen Materie auseinandersetzen. Die meisten tun nur das Nötigste, schauen nach dem besten Preis oder lassen sich vom Makler des Vertrauens ein hübsches Paket zusammenschnüren. Doch das ist auch der Grund, weshalb es immer wieder zu Falschannahmen rund um diese dunkle Materie kommt. Zum Ärgernis vieler Kunden, wenn am Ende die Versicherung einmal nicht zahlt. Weil uns Transparenz wichtig ist, räumen wir mit den häufigsten Irrtümern auf und hoffen somit zumindest das ein oder andere Aha-Erlebnis bei Ihnen hervorzurufen.

Irrtum Nr. 1: Je mehr Versicherungen, desto höher ist der Schutz.

Nicht mehr Schutz, aber dafür auf jeden Fall mehr Kosten. Damit man auch nur für den Schutz zahlt, den man auch wirklich benötigt, ist es unerlässlich sich die Leistungen der verschiedenen Versicherungspolizzen anzusehen, die man Zuhause herumliegen hat. Nicht selten kommt es vor, dass man ein und dieselbe Leistung bei verschiedenen Versicherungen doppelt- und dreifach versichert hat. Das ist komplett sinnlos, denn bei einem Schadenfall bekommt man die Entschädigung auch bei mehreren Versicherungen nur einmalig.
Sie sollten sich beispielsweise einmal die Zeit nehmen und etwaige Kreditkarten mit Reiseversicherungen, Mitversicherungen bei Vereinen oder Ähnlichem durchsehen.

Irrtum Nr. 2: Etwas kaputt gegangen? Die Haftpflichtversicherung zahlt eh.

Grundsätzlich deckt die Haftpflichtversicherung Schäden ab, die man einem Dritten versehentlich verursacht. Sie ist jedoch keine Allround-Versicherung, die bei jeder Ungeschicklichkeit einspringt. Vorsätzliche oder grob fahrlässige Schäden an geliehenen Sachen, bei Gefälligkeiten (z.B. private Umzugshilfe), im Hotelzimmer oder wenn man eine Sache gerade aktiv in Gebrauch hat (Tätigkeitsschäden), sind davon ausgeschlossen. Was heißt das genau? Hier gibt es mehr Informationen zu den Irrtümern bei der Haftpflichtversicherung.

Außerdem wird immer wieder vergessen, dass einen Haftpflichtversicherung nur dann zahlt, wenn der Versicherte auch Schuld hat und wie der Name schon sagt, für den Schaden haftet. Bei absichtlicher Schadenszufügung hilft auch keine Versicherung.

Irrtum Nr. 3: Kinder und die Sache mit der Haftung.

In Österreich haften Eltern für ihre Kinder unter 14 Jahren, bei schuldhafter Verletzung der Aufsichtspflicht (z.B. wenn Kinder ohne Ermahnung zur Vorsicht mit Pfeil und Bogen spielen). Ausnahmsweise können jedoch auch unter-14-jährige selbst herangezogen werden, wenn sie sich ihre Schuld bereits eingestehen können und das Kind den Schaden leichter tragen kann, als der Geschädigte, etwa weil es selbst Vermögenkids hat. Zum Vermögen gehört auch eine Haftpflichtversicherung der Eltern, welche meist die im selben Haushalt lebenden minderjährigen Kinder mitumfasst. Was jedoch viele nicht wissen, ist, dass Schadensersatzansprüche gegenüber nahen Angehörigen, die nicht im selben Haushalt wohnen, oft nicht versichert sind. Dazu zählen Großeltern, Schwieger- oder Stiefeltern.

Versicherungen Irrtümer Ausnahmen

Irrtum Nr. 4: Die Unfallversicherung deckt alle Unfälle ab.

Schön wär‘s. Die Unfallversicherung zahlt nur, wenn die Definition eines Unfalls erfüllt ist. Das heißt, wenn man durch ein plötzliches und von außen einwirkendes Ereignis eine dauerhafte Verletzung erleidet. Sie zahlt nicht bei bloßer Ungeschicktheit oder bei leichtsinnigen Aktivitäten, wo schon der Hausverstand ein übles Ende erahnen lässt. Außerdem sollte man wissen, dass die gesetzliche Unfallversicherung (UV) nur Unfälle umfasst, die sich im Zuge der Arbeit oder auf dem Weg dorthin ergeben. Für Unfälle in der Freizeit, welche nebenbei bemerkt ¾ aller Unfälle ausmachen, muss man durch eine private Unfallversicherung selbst vorsorgen. Außerdem ersetzt bei einem Arbeitsausfall der gesetzliche Schutz nur einen Teil des Einkommens, die private UV beinhaltet meistens auch die Zahlung von Taggeldern und einer zusätzlichen Unfallrente.

Irrtum Nr. 5: Durch die E-Card ist man auch im Ausland versichert.

Nein, die E-Card ist nicht überall gültig, sondern nur in EU-Mitgliedsstaaten, EWR- Staaten sowie in der Schweiz, Mazedonien, Montenegro, Serbien und Bosnien-Herzegowina. Zudem ist die E-Card dort nur bei Vertragsärzten bzw. in öffentlichen Spitälern gültig. Um sich vor hohen Kosten im Krankheitsfall zu schützen, braucht man eine eigene Auslandkrankenversicherung. Diese gibt es auch oft in Kombination mit einer Kreditkarte (hier ein Kreditkarten-Versicherungsvergleich).

Irrtum Nr. 6: Die Versicherung gilt unmittelbar nach Vertragsabschluss.

Versicherungen haben oft eine Vorlaufzeit, bevor Leistungen in Anspruch genommen werden können. Dies ist oftmals bei Rechtsschutzversicherungen oder Zusatzkrankenversicherungen der Fall. Der Grund ist der, dass die Versicherung nicht für Schäden aufkommen will, die vor Vertragsabschluss schon bestanden haben. Das ist nur logisch. Als Konsument hat man aber nur die Möglichkeit die Vorlaufzeit abzuwarten oder eine Versicherung ohne Vorlaufzeit zu finden.

Irrtum Nr. 7: Die KFZ-Vollkasko zahlt jeden Schaden am eigenen Auto.

Nope, leider nicht. So wie bei jeder anderen Versicherung, kann auch hier die Zahlung bei grober Fahrlässigkeit verweigert werden. Bei Vorsatz sowieso. Wer ein Stoppschild übersieht oder während der Fahrt das Handy in der Hand hält, bekommt also unter Umständen Probleme mit der Versicherung. Echte Straßenrowdys sollten sich überlegen, grobe Fahrlässigkeit gegen eine höhere Prämie mitzuversichern.

Versicherungen Irrtümer Ausnahmen

Irrtum Nr. 8: Bei einem Schaden bekomme ich den Neupreis.

Das gilt nur, wenn mit der Versicherung Neuwertersatz vereinbart wurde. Und auch in diesem Fall heißt es nicht, dass man sich nach einem Brand coole neue Sachen aussuchen darf und die Haushaltsversicherung das bezahlt. Ersetzt werden die aktuellen Wiederbeschaffungskosten der versicherten Sachen im Neuzustand oder eben einer gleichwertigen Sache. Voraussetzung dafür ist aber, dass Sie die Sache auch tatsächlich wiederbeschaffen. Tun Sie das nicht, bekommen Sie jedenfalls nur den Zeitwert ersetzt.

Außerdem ist nicht bei allen Versicherungen Neuwertersatz möglich. Bei der Haftpflichtversicherung beispielsweise wird nur der Zeitwert ersetzt.

Irrtum Nr. 9: Die Haushaltsversicherung zahlt bei Diebstahl.

Falsch. Die Haushaltsversicherung zahlt üblicherweise nur bei Einbruchdiebstahl und Raub. Einbruchdiebstahl bedeutet, dass der Dieb in versperrte oder verschlossene Räumlichkeiten unerlaubt eindringt. Beraubung liegt wiederum vor, wenn Sie zu Hause unter Anwendung oder Androhung von Gewalt dazu gezwungen werden, Ihr Eigentum herauszurücken. Trickdiebstahl oder einfacher Diebstahl ist in den meisten Haushaltsversicherungen nicht gedeckt.
Selbiges gilt übrigens auch für Handyversicherung, Sportgeräte oder sonstige Sachversicherungen mit Diebstahlschutz. Es gibt zwar Versicherungen, die einfachen Diebstahl versichern, allerdings kann hier unter dem Verweis auf grobe Fahrlässigkeit die Deckung abgelehnt werden, wenn man die Sache nicht sorgfältig im Auge behält.

Uns ist bewusst, dass wir mit diesem Beitrag nur einen kleinen Blick in die Versicherungswelt und Ihre Irrtümer schaffen. Gibt es weitere Ausnahmen, die Ihrer Meinung nach unbedingt in diesen Beitrag gehören, dann freuen wir uns über jegliche Beiträge und Erfahrungen im Kommentar. Bei Fragen stehen wir gerne zur Verfügung.

Ansonsten versuchen wir auch in den anderen Beiträgen auf Ausnahmen und Irrtümer zum jeweiligen Thema hinzuweisen.

Alexandra
Alexandra bloggt für den LAMIE Versicherungsblog über allgemeine Versicherungsthemen und Tipps. Außerdem erstellt sie leidenschaftlich gerne Checklisten. Wie alle Mitglieder des LAMIE Teams, möchte sie schwierige Versicherungsfragen auf einfache Weise darstellen. Für Anregungen, Wünsche oder detaillierte Fragen erreichen Sie Alexandra unter blog@lamie-direkt.at