Verkehr und KFZ-Versicherung: Die 5 größten Irrtümer

Manche Irrtümer in Sachen Verkehr und KFZ-Versicherung halten sich hartnäckig und über Generationen hinweg. Da Unwissenheit ja bekanntlich vor Strafe nicht schützt, klären wir die größten Falschannahmen im Straßenverkehr für Sie auf. 

Versicherungsirrtum Nr. 1.: Flipflops am Steuer sind verboten

Das Fahren mit Schlapfen, High Heels, Schischuhen oder barfuß ist per se nicht verboten. Aufgrund eines falschen Schuhwerks kann sich aber die Frage stellen, ob man auf Verkehrssituationen angemessen reagieren kann. Wer also mit solchem Schuhwerk hinter dem Lenkrad sitzt und an einem Unfall beteiligt ist, dem kann aufgrund verminderter Reaktionsfähigkeit ein (Mit)verschulden von der gegnerischen Kfz-Haftpflichtversicherung vorgeworfen werden. Dies kann dann nicht nur zu Problemen mit der Versicherung führen, sondern auch strafrechtliche Konsequenzen (etwa ein Auffahrunfall mit Personenschaden) haben, wenn der Verkehrsunfall zumindest durch das Schuhwerk mitverursacht oder alleine schon begünstigt wurde. Eine etwaige Kaskoversicherung kann wegen grober Fahrlässigkeit ablehnen.

Zum Verständnis: Grobe Fahrlässigkeit wird regelmäßig dann angenommen, wenn die im Verkehr erforderliche Sorgfalt in besonders schwerem Maße verletzt wurde, wie bei leichtfertigem Fahren oder mangelnder Sicherung des KFZs. Beispielsweise wurde grobe Fahrlässigkeit für die Fälle angenommen, in denen der Fahrer während der Fahrt einen Gegenstand auf den Rücksitz gelegt hat oder für längere Zeit einen hinuntergefallenen Gegenstand im Innenraum des Fahrzeugs gesucht und in der Folge die Kontrolle über das Fahrzeug verloren hat.

Versicherungsirrtum Nr. 2.: Der Auffahrende hat immer Schuld

Grundsätzlich muss der nachfahrende Autofahrer einen ausreichenden Sicherheitsabstand einhalten um bei jeder Bremsung des Vordermanns rechtzeitig reagieren zu können. Bei einem Auffahrunfall hat jedoch nicht automatisch immer der Auffahrende die alleinige Schuld. Wenn der Unfall z.B. aufgrund einer grundlosen Vollbremsung, etwa wegen Kleintieren wie Igel, Hase, Frosch usw. entstanden ist, kann dem Vordermann eine Teilschuld zugesprochen werden. Die Gefahr für das Fahrzeug ist in solchen Fällen nämlich so gering, dass es unverhältnismäßig erscheint, das Risiko einer riskanten Vollbremsung einzugehen. Achtung: Bei größeren Tieren, wie Rehen oder Hirschen, ist ein Ausweichmanöver oder eine Vollbremsung aber grundsätzlich erforderlich.

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Eine Teilschuld kann dem Vordermann ebenfalls durch extremes Abbremsen vor Blitzern und Parklücken oder durch einen plötzlichen Fahrstreifenwechsel angerechnet werden.

Versicherungsirrtum Nr. 3.: Wer hinter dem Steuer sitzt, darf nicht ohne Freisprecheinrichtung telefonieren

Nicht unbedingt! Das Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung ist nur dann nicht gestattet, wenn man sich im „fließenden Verkehr“ befindet. Das ist auch der Fall, wenn man sein Auto verkehrsbedingt anhält, wie z.B. aufgrund einer Stopptafel oder im Stau (Stop-and-Go). Bei ruhendem Verkehr z.B. bei einer roten Ampel oder einem erheblich Stau mit Stillstand darf man auch ohne Freisprecheinrichtung telefonieren.

Trotzdem: Auch bei ruhendem Verkehr, wenn man aufgrund des Telefonierens nicht in der Lage ist, auf eine Verkehrssituation angemessen zu reagieren, kann es bei einem Unfall zu Problemen mit der Versicherung führen (Mitschuld, grobe Fahrlässigkeit). Damit Sie sich nicht auf rechtliche Detailauslegungen verlassen müssen, also lieber immer mit Freisprecheinrichtung telefonieren.

Versicherungsirrtum Nr. 4.: Der Kfz-Kaskoversicherung ist es egal, wenn jemand anderes meinen Wagen fährt 

Fast! Einige KFZ-Teil- oder Vollkaskoversicherungen gewähren einen Prämienrabatt, wenn zugesichert wird, dass das Fahrzeug nicht von jungen (bis 22-25 Jahre) oder alten Fahrern (ab 70-75 Jahre) gelenkt wird. Wird das Auto im Schadenfall von einem Lenker außerhalb dieser Altersgrenze gelenkt, dann wird eine zusätzliche Selbstbeteiligung verrechnet, meist in der Höhe von ca. 300-400 €. Außerdem gibt es noch den Selbstbehalt für nicht benannte Fahrer. Durch namentliche Benennung von bis zu zwei Fahrern gewähren einige Versicherer einen Rabatt in Höhe von ca. 10%, was ausschließlich diese Personen dazu berechtigt, das Auto zu lenken. Verursacht ein Dritter, nicht genannter Lenker einen Schaden, wird ebenfalls eine zusätzliche Selbstbeteiligung verrechnet. Prüfen Sie Ihren Versicherungsvertrag auf solche Regelungen.

Versicherungsirrtum Nr. 5.: Beim Fahren mit den falschen Reifen, habe ich keinen Versicherungsschutz

Im Sommer die Winterreifen „zu Ende fahren“ – das kennt man ja und ist per se auch nicht verboten. Zu achten ist jedoch auf die Mindestprofiltiefe (1,6 mm) der Reifen sowie auf das Alter der Reifen. Je älter der Reifen, desto härter die Lauffläche, was wiederum die Bodenhaftung verschlechtert. Weiters schaden milde und warme Temperaturen den Winterreifen, erhöhen den Verschleiß und lassen das Risiko für einen Reifenplatzer steigen.

Etwas strenger ist die Sache bei Sommerreifen im Winter. Von 1. November bis 15. April darf das Fahrzeug bei winterlichen Verhältnissen (Schnee, Matsch oder Eis) nur dann in Betrieb genommen werden, wenn Winterreifen (Mindestprofiltiefe 4mm, Kennzeichnung M+S, M.S. oder M&S) montiert sind.

Wer mit falscher Bereifung witterungsbedingt einen Unfall hat, riskiert, dass die KFZ-Kaskoversicherung den Schaden nicht oder nur teilweise deckt! Man steht nicht komplett ohne Versicherungsschutz da. Die KFZ-Haftpflichtversicherung kommt für den Schaden des Unfallopfers auf, kann aber den Betrag unter Umständen beim Versicherungsnehmer regressieren, wenn die Vereinbarungen des Versicherungsvertrages verletzt wurden. KFZ-Haftpflichtversicherer stützen sich in so einem Fall auf den Umstand der Gefahrenerhöhung, weil das Fahrzeug nicht den vorgeschriebenen Verkehrssicherheitsstandards entspricht. Ausschlaggebend für den Versicherer ist das Wetter zum Zeitpunkt des Unfalls und die Information, ob der Unfall mit den richtigen Reifen hätte verhindert werden können. Der Regressanspruch der Versicherungen ist pro Versicherungsfall auf höchstens 22.000 € begrenzt.

 

Sie haben einen ähnlichen Fall erlebt oder kennen einen weiteren Verkehrsmythos, über den Sie gerne mehr erfahren würden? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare.

In unserem Blog finden Sie übrigens auch weit verbreitete Irrtümer in Sachen Privathaftpflicht.

Alexandra
Alexandra bloggt für den LAMIE Versicherungsblog über allgemeine Versicherungsthemen und Tipps. Außerdem erstellt sie leidenschaftlich gerne Checklisten. Wie alle Mitglieder des LAMIE Teams, möchte sie schwierige Versicherungsfragen auf einfache Weise darstellen. Für Anregungen, Wünsche oder detaillierte Fragen erreichen Sie Alexandra unter blog@lamie-direkt.at