Vergleich: Lohnt sich eine Brillenversicherung?

Während man früher eine Brille eher zwangsweise trug und in der Jugend als Brillenträger oft sogar gehänselt wurde, sind die Gläser heutzutage eher ein modisches Accessoire, das mit Stolz getragen wird. Doch eine gute Brille mit hochwertigen Gläsern und einer Designer-Fassung kostet schnell mal über 500 €. Das kann ganz schön ins Geld gehen, vor allem wenn mehrere Familienmitglieder Brillenträger sind oder man Mehrstärkenbrillen benötigt. Aus diesem Grund haben etwas mehr als 25% aller Brillenträger eine Brillenversicherung. Doch was ist dadurch genau versichert und wann ist sie sinnvoll? Wir zeigen auf, was Sie darüber wissen sollten und haben die verschiedenen Brillenversicherungen in Österreich miteinander verglichen.

Neue Brille nötig: Wann zahlt die Krankenversicherung?

Die gesetzliche Krankenkasse zahlt hier leider nur niedrige Pauschalbeträge und auch dies nur unter bestimmten Voraussetzungen.  Dazu gehören Fälle wie eine Sehbehinderung, wenn die Sehschärfe auf dem besseren Auge nur noch 30 % erreicht, oder als Therapiebrille (z.B. bei Schielen von Erwachsenen). Nur für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren werden die Festbeträge nicht nur bei Sehbehinderungen, sondern auch bei geringer Fehlsichtigkeit gezahlt. Wenn eine Brille für den Schulsport benötigt wird, werden auch Kunststoffgläser übernommen.

Wenn Sie eine private Krankenversicherung haben, sollten Sie vorher prüfen, ob und wie Heilbehelfe wie Brillen und Kontaktlinsen dort versichert sind. Hier werden neue Brillen meist nur alle zwei Jahre und nach ärztlicher Verordnung übernommen.

Brillenversicherungen – verschiedene Versicherungsmodelle

Es ist nachvollziehbar, dass sich viele Brillenträger eine Brillenversicherung überlegen, besonders weil so ein fragiles Objekt wie eine Brille schnell einmal beschädigt wird. Brillenversicherungen kann man meist direkt beim Optiker mit einjähriger Laufzeit abschließen. Bitte beachten Sie aber, dass meist eine automatische Vertragsverlängerung vereinbart wird.

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Die am Markt üblichen Brillenversicherungen regeln den Versicherungsschutz recht unterschiedlich. So gut wie alle Anbieter versichern die Brille zunächst davor, dass sie durch eigene Ungeschicklichkeit zu Bruch geht. Zu beachten ist hier jedoch, dass dies nur für kleinere Missgeschicke gilt, da Schäden aufgrund grober Fahrlässigkeit oder gar Vorsatz bei allen Anbietern ausgeschlossen sind. Weitere Deckungsbausteine, die jedoch teilweise erhöhte Prämien oder satte Selbstbehalte nach sich ziehen, können sein:

  • Die Sehstärke ändert sich um mindestens 0,5 Dioptrien(dpt)
  • Neue Brille nach Ablauf von zwei Jahren – unabhängig von einem Schaden
  • Fall-, Sturz- und Bruchschäden
  • Elementare Gefahren
  • Versicherung gegen einfachen Verlust
  • Diebstahl, Raub oder Einbruchdiebstahl

Grundlage der Prämie ist generell meistens ein Prozentsatz des ungestützten Verkaufspreises der Brille. Die Selbstbehalte variieren stark. Ein Blick in die Bedingungen bei Abschluss ist daher unbedingt geboten.

Vertragslaufzeit und neue Brille

Speziell bei variierender Sehstärke ist Vorsicht geboten. Die meisten Verträge haben eine Mindestvertragslaufzeit von 1-2 Jahren. Ändert sich die Sehstärke um mindestens +/- 0,5 Dioptrien ist jedoch nur bei manchen Anbietern ein Umstieg auf eine neue Brille sofort mit der Änderung mitversichert!

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Brillenversicherung-Vergleich: Kosten und Nutzen

Wir haben anhand eines Tarifvergleichs versucht Beispiele zu ermitteln, in denen sich eine Brillenversicherung grundsätzlich finanziell auszahlt.

Beispiel: Gleitsichtbrille um 500 €

  • Schadenfall im zweiten Versicherungsjahr;
  • die Gleitsichtbrille wird durch eine leichte Ungeschicklichkeit zerstört;
  • Der Kunde möchte dieselbe Gleitsichtbrille noch einmal: Kosten wieder 500 €.

Bei der Hanse Merkur Versicherung (Fielmann-Angebot) zahlt man 100 € Prämie für zwei Jahre, erhält im Schadenfall aber eine Zuzahlung von 70 € und außerdem 70 % der Anschaffungskosten der neuen Brille vom Händler (Achtung: Nur wenn man eine Brille aus dem „Zuzahlungsbereich“ und nicht aus der „Nulltarif-Collection“ nimmt). Im Endeffekt ergibt sich für den Versicherungsnehmer eine Ersparnis von 320 € (statt 1.000 € müssen insgesamt nur 680 € für die zwei Brillen bezahlt werden).

Die I4you Brillenversicherung kann ebenfalls auf 2 Jahre abgeschlossen werden. Die Prämie für eine 500 € teure Brille ist in diesem Fall ebenfalls 100 € (10% vom Kaufpreis, für zwei Jahre). Im oben beschriebenen Schadenfall muss man aber einen Selbstbehalt von 75 € tragen. Insgesamt hat der Versicherte nun einen finanziellen Aufwand von 175 €, bekommt dafür aber eine neue Brille im Wert von 500 €. Die Ersparnis liegt hier bei 325 €.

Beim Hartlauer Brillensorglospaket zahlt man über 2 Jahre, 477,60 € Prämie (monatlich 19,90 €) für eine 500 € teure Brille. Der Unterschied im Versicherungsmodell liegt hier darin, dass man für die Brille beim Hersteller im Geschäft nichts zahlt! Man „zahlt“ hier die Brille quasi über 2 Jahre ab.
Geht die Brille dann innerhalb von 2 Jahren zu Bruch, wird auch kein Selbstbehalt verrechnet. Hier kommt es im Endeffekt zu einer Ersparnis von 522,40 € im Schadenfall.

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Beispiel: Fern- oder Nahbrille um 150 €

Nun dasselbe Beispiel wie zuvor, hier mit einer normalen Fern- oder Nahbrille um 150 €:

  • Fielmann: 15 € Zuzahlung + 70% des Kaufpreises, Prämie: 20 €
  • I4you: 22,5 € Selbstbehalt (15%), Prämie: 80 € (jährliche Mindestprämie: 40€)
  • Hartlauer: kein Selbstbehalt; Prämie: 9,90€/Monat

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Wichtiges zur Fielmann Brillenversicherung

Ein Fall, der uns bei der Recherche untergekommen ist:
Eine ältere Dame kauft 2013 bei Fielmann eine Gleitsichtbrille um 500 € aus dem Zuzahlungsbereich und schließt dafür eine Brillenversicherung von Hanse Merkur ab. Zu den 70 € von der Versicherung, verspricht Fielmann bei Neukauf einer Brille im Schadenfall 70% vom Kaufpreis zu übernehmen. Ab dem 25. Monat zahlt auch Fielmann nur noch 70 € dazu.
Die Dame zahlt in der Folge für ihre Gleitsichtbrille jährlich 50 € Versicherungsprämie. In den kommenden 5 Jahren verschlechtert sich Ihre Sehkraft um mehr als +/- 0,5 Dioptrien und meldet 2018 schließlich einen berechtigten Schadenfall. Sie möchte eine neue Gleitsichtbrille, auch um etwa 500 €:

  • Nach 5 Jahren Versicherungslaufzeit hat die Dame nun 250 € an Prämie bezahlt; von der Brillenversicherung bekommt sie nun lediglich eine Zuzahlung von 70 € zur neuen Brille. Das Versprechen von Fielmann, 70% von der Neubrille zu übernehmen, ist nach 5 Jahren obsolet, daher werden auch von Fielmann nur 70 € übernommen.
  • Die neue Brille kostet der Dame nun insgesamt 610 € (Kaufpreis + Versicherungsprämie – 2x Zuzahlung). Ohne Versicherung hätte die Kundin ganz normal die 500 € bezahlt. Sie zahlt also in diesem Fall drauf.
  • Bei einem Schadenfall im 2. Jahr hätte Fielmann die 70 % vom Kaufpreis noch übernommen.
Fazit zur Fielmann Brillenversicherung

Ohne ein aufrechtes Fielmann-Versprechen mit der Kostenbeteiligung in Höhe von 70% der Neubrille rechnet sich die Fielmann Brillenversicherung im geschilderten Fall gar nicht. Zudem verlängert sich die Fielmann Brillenversicherung automatisch um ein weiteres Jahr, sofern der Kunde nicht kündigt.

Wenn Sie sich eine teure Brille bei Fielmann kaufen und die Fielmann Brillenversicherung dafür abschließen möchten, denken Sie daran die Brille rechtzeitig zum Ende des zweiten Jahres zu kündigen. Sie können in Ihrem Versicherungsantrag beim Brillenkauf auch gleich die Kündigung zum Ablauf von 2 Jahren handschriftlich anmerken.

Wann ist also eine Brillenversicherung empfehlenswert?

Ob sich eine Versicherung für die Brille lohnt oder nicht kann zwar pauschal nicht gesagt werden, aber als Tendenz lässt sich erkennen, dass man bei teureren Brillenmodellen über einen Schutz nachdenken sollte.

Das wichtigste Augenmerk bei den am Markt gängigen Brillenversicherungen ist die genaue Beachtung der vereinbarten Vertragslaufzeit und der in der Versicherung enthaltenen Leistungsversprechen! Die markführenden Versicherungen von Hartlauer und Fielmann sind darauf ausgelegt, dass nach zwei Jahren eine neue Brille bezogen bzw. gekündigt wird. Danach kann man die Versicherung neu abschließen. Wichtig ist, hier nicht in die Falle zu tappen und den Versicherungsvertrag weiter laufen zu lassen (da sich diese ja sonst automatisch verlängern).

Achtung: Ein Brillenversicherung soll kein Grund für einen sorglosen Umgang mit der Brille sein, denn auch hier gibt es den Ausschluss für grobe Fahrlässigkeit und Vorsatz.

Relevant ist der Schutz jedenfalls bei Brillen mit hochwertigen Kunststoffgläsern, die oft getragen werden oder wenn die Gläser bei der Arbeit oder etwa beim Sport sehr beansprucht werden. Auf der anderen Seite erhöht sich dann die Prämie natürlich.

Wenn sich die Sehschärfe bei Ihnen noch oft ändert, prüfen sie besonders, ob der entsprechende Deckungsbaustein mitversichert ist.

Alexandra
Alexandra bloggt für den LAMIE Versicherungsblog über allgemeine Versicherungsthemen und Tipps. Außerdem erstellt sie leidenschaftlich gerne Checklisten. Wie alle Mitglieder des LAMIE Teams, möchte sie schwierige Versicherungsfragen auf einfache Weise darstellen. Für Anregungen, Wünsche oder detaillierte Fragen erreichen Sie Alexandra unter blog@lamie-direkt.at