Unterschied private Unfallversicherung VS. Berufsunfähigkeitsversicherung

Die private Unfallversicherung und Berufsunfähigkeitsversicherung werden sehr oft verwechselt oder gleichgesetzt. Dies hat mir die Aussage einer Lehrerin in meinem Bekanntenkreis letztens wieder bestätigt. Als ich sie fragte, was sie tun würde, wenn sie plötzlich ihre Stimme verlieren würde und deshalb ihren Beruf nicht mehr ausüben könnte, antwortete sie: „Kein Problem, ich habe eh eine Unfallversicherung.“ Dieses Thema gab mir nun den Anlass mit unseren Experten die wichtigsten Unterschiede der beiden Versicherungen auszuarbeiten.

Der Vergleich von Äpfel und Birnen

Der Vergleich zwischen privater Unfallversicherung (UV) und Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) ist ähnlich zu betrachten wie der Vergleich der Leistungen einer Wohngebäude- und einer Haushaltsversicherung. Es gibt zwar einige Schnittmengen, aber die eine sichert eben hauptsächlich das Gebäude und die andere den beweglichen Hausrat ab. Die Schnittmenge zwischen BU-Versicherung und Unfallversicherung ist ebenfalls rein zufällig, nämlich der Ausgleich von finanziellen Engpässen bei körperlichen Schäden. Die Ziele, Ursachen und Leistungen sind aber sehr unterschiedlich:

1. Private Unfallversicherung

Warum ist die private UV eine sinnvolle Ergänzung?

Rund ¾ aller Unfälle fallen in den Lebensbereich Heim/ Freizeit/ Sport. Der zentrale Vorteil der privaten Unfallversicherung besteht in der Absicherung gegen diese Gefahren. Im Rahmen der Berufstätigkeit ist ja jeder Arbeitnehmer in der gesetzlichen UV pflichtversichert – diese schützt aber nur vor Unfallgefahren während der Arbeitszeit bzw. auf dem Arbeitsweg (auch vor Berufskrankheiten). Im Rahmen von einem aktiven Lebensstil ist eine zusätzliche, private Absicherung dringend zu empfehlen, speziell im Falle von zu befürchtenden Langzeitfolgen.

Geschütztes Risiko: Kosten der Unfallfolgen abfedern

Die Unfallversicherung soll vor vorübergehenden und permanenten Folgen eines Unfalls schützen. Zum Beispiel wird die volle Leistung ausbezahlt, sollte man durch einen Unfall 100% invalide werden – Berechnet wird dies anhand der jeweilig gültigen Bedingungen mit sogenannten Gliedertaxen, die für die meisten Körperteile feste Invaliditätssätze vorgeben. Dennoch ist das Ziel der Versicherung nicht die dauernde Einkommensabsicherung, sondern der Ausgleich von finanziellen Belastungen. Die Versicherung übernimmt zum Beispiel Rehakosten, Therapiekosten, Einkommenseinbußen durch Krankenstände oder notwendige Umbauarbeiten im eigenen Zuhause.
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„Unfall“ als Schadenursache

Bei der Unfallversicherung muss die Ursache für den Schaden ein Unfall sein, also „wenn die versicherte Person durch ein plötzlich von außen auf ihren Körper wirkendes Ereignis (Unfall) unfreiwillig eine Gesundheitsschädigung erleidet“. Daher ist eine allmähliche körperliche Schädigung – etwa durch Abnutzung oder Krankheit – kein Unfall im Sinne der Unfallversicherung.

Prämienfestlegung

Die Prämie der Unfallversicherung richtet sich nach der gewählten Versicherungssumme, der gewählten Deckung und nach Merkmalen wie Beruf oder besonderen Freizeitaktivitäten.

Form der Leistung

Die Unfallversicherung zahlt nicht bei jedem Unfall, sondern erst, wenn als Folge des Unfalls dauernde Invalidität eintritt. Als Invalidität bezeichnet man einen Zustand, bei dem die körperliche oder geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigt ist. Konkret überprüft die private Unfallversicherung Art und Umfang der Gesundheitsschädigung anhand eines ärztlichen Befundberichts bzw. sehen die meisten Versicherungsbedingungen sogenannte Gliedertaxen vor, anhand derer ein Invaliditätsgrad (in Prozent) für die jeweiligen beeinträchtigten Körperteile festgelegt wird. Die Unfallversicherung ist gerade deswegen so günstig, weil sie nur dann hohe Summen leistet, wenn eine Dauerfolge nach dem Unfall vorliegt. Die Invalidität muss keine Berufsunfähigkeit zur Folge haben. Man kann also auch weiterarbeiten (z.B. Büroarbeit im Rollstuhl). Die Hauptleistungen der privaten Unfallversicherung bestehen dann aus einer einmaligen Kapitalleistung, einer monatlichen, lebenslangen Rente oder einer Kombination aus beidem – je nach Art des Unfalls bzw. dessen Folgen.

2. Berufsunfähigkeitsversicherung

Geschütztes Risiko: Einkommen absichern

Die private Berufsunfähigkeitsversicherung leistet, wenn aufgrund eines unvorhergesehenen Ereignisses der Beruf dauerhaft nicht mehr ausgeübt werden kann. Die Berufsunfähigkeit wird in der Regel ähnlich definiert wie bei der staatlichen Berufsunfähigkeitsversicherung – Minderung der Arbeitsfähigkeit um mindestens 50% für mindestens 6 Monate. Ausbezahlt wird je nach Vereinbarung eine vertraglich festgelegte Rente bis zu einem bestimmten Alter bzw. vereinbarten Leistungsende.

„Unfall“, „Krankheit“ und Kräfteverfall als Ursache

Im Gegensatz zur Unfallversicherung muss für eine Leistung der BU kein Unfall vorliegen. Diese leistet nämlich auch dann, wenn aufgrund eines unvorhergesehenen Ereignisses der Beruf dauerhaft nicht mehr ausgeübt werden kann. Dies muss nicht unbedingt ein Unfall aber jedenfalls aus gesundheitlichen Gründen sein, jedoch steigt die Prämie unter Umständen bei Vorerkrankungen und erhöhtem Risiko. 90% aller Fälle von Berufsunfähigkeit sind krankheitsbedingt.

Prämienfestlegung

Die Prämie der BU-Versicherung hängt vorrangig von der gewählten Rente, also vom gewünschten Einkommensersatz im Versicherungsfall, und dem ausgeübten Beruf ab.

Form der Leistung

Die BU-Versicherung leistet in der Regel, wenn die Arbeitsfähigkeit um mindestens 50% für mindestens 6 Monate gemindert ist. Dies wäre etwa bei einem Automechaniker, der nach einem schweren Unfall im Rollstuhl sitzt, der Fall. Ausbezahlt wird je nach Vereinbarung eine vertraglich festgelegte Rente bis zu einem bestimmten Alter bzw. vereinbarten Leistungsende.
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In Österreich erhält man bei frühzeitiger Berufsunfähigkeit auch Leistungen im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge (Berufsunfähigkeitspension) bzw. bei Anspruch – aus der gesetzlichen Invaliditätspension. Für Angestellte und Arbeiter gibt es hier einen Berufsschutz bei Berufsunfähigkeit (Angestellte) bzw. Invalidität (Arbeiter – größeres Verweisungsfeld für ungelernte Arbeiter). Man hat keinen Anspruch auf die vorzeitige Pension, wenn man noch im Stande ist, eine ähnliche Tätigkeit am Arbeitsmarkt auszuüben (unabhängig davon, ob diese Tätigkeit tatsächlich verfügbar ist – sogenannte „abstrakte Verweisung“). Bei der privaten Berufsunfähigkeitsvorsorge muss man sich oft nur eine sogenannte „konkrete Verweisung“ gefallen lassen. Die Pensionsleistung erfolgt unabhängig davon, ob eine andere Tätigkeit ausgeübt werden könnte. Übt der Versicherungsnehmer jedoch eine ähnliche berufliche Tätigkeit aus, die der vorherigen Beschäftigung entspricht, liegt keine Berufsunfähigkeit mehr vor.

Unterschied zwischen UV und BU – Übersicht

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Im LAMIE Blog finden Sie auch eine praktische Checklist für die private Unfallversicherung mit wichtigen Punkten für Hobbysportler und Fitnessbegeisterte.
Bei weiteren Fragen zur Unfall- und BU-Versicherung sind unsere Experten gerne für Sie da. Wir freuen uns auf Ihre Kommentare und Erfahrungen.

Alexandra
Alexandra bloggt für den LAMIE Versicherungsblog über allgemeine Versicherungsthemen und Tipps. Außerdem erstellt sie leidenschaftlich gerne Checklisten. Wie alle Mitglieder des LAMIE Teams, möchte sie schwierige Versicherungsfragen auf einfache Weise darstellen. Für Anregungen, Wünsche oder detaillierte Fragen erreichen Sie Alexandra unter blog@lamie-direkt.at