Lohnt sich eine private Krankenversicherung?

In Österreich ist man als unselbstständig Erwerbstätiger automatisch gesetzlich krankenversichert. Bei welchem Sozialversicherungsträger man versichert ist, hängt von der Tätigkeit ab. Durch die Pflichtversicherung ist die Grundversorgung an Gesundheitsleistungen in Österreich weitestgehend abgedeckt. Dies gilt auch für Zeiten der Arbeitslosigkeit oder auch für weitere Familienangehörige, speziell für die eigenen Kinder. Dennoch existieren Leistungen, die von der gesetzlichen Krankenkasse nicht übernommen werden. Aus diesem Grund hat sich auch in Österreich ein Markt für private Krankenversicherungen etabliert, vor allem für unselbstständige Erwerbstätige, die Zusatzleistungen abgedeckt haben möchten. Doch lohnt sich eine private Zusatzkrankenversicherung überhaupt? Der folgende Beitrag gibt einen Überblick.

Die Leistungen einer privaten Krankenzusatzversicherung

Wahlarzt und Sonderklasse

Eine private Krankenzusatzversicherung gliedert sich meist in zwei Teile. Einerseits gibt es die Sonderklasseversicherung, die eine „gesonderte“ Behandlung bei Spitalsaufenthalten ermöglicht. Dazu zählen beispielsweise die Auswahl der Wunschklinik (auch private Anstalten können gewählt werden), die Wahl des behandelnden Arztes, flexiblere Terminauswahl und ein komfortableres Krankenzimmer (Ein- oder Zweibettzimmer mit Telefon, TV, Dusche, WC, Menüwahl…). Auch wenn Krankenhäuser und Ärzte keine Sonderbehandlung von Zusatzkrankenversicherten bei der Verteilung von Operationsterminen zugestehen möchten, ergab ein Test von Konsument.at (KONSUMENT 9/2011), dass hier tendenziell doch mit zweierlei Maß gemessen wird.

Den zweiten Teil einer privaten Krankenzusatzversicherung bildet meist der Wahlarzt. Das bedeutet, dass man sich den Arzt frei wählen kann, was oft Vorteile wie verkürzte Wartezeiten oder auch eine intensivere ärztliche Beratung mit sich bringt. Zu beachten ist hier, dass der Patient die Kosten des Wahlarztes zuerst selbst bezahlen muss. Erst in einem zweiten Schritt wird diese Rechnung bei der jeweiligen gesetzlichen Krankenversicherungsanstalt eingereicht. Der dabei übernommene Kostenersatz variiert von Versicherung zu Versicherung. Erst wenn die gesetzliche Krankenversicherung ihren Teil geleistet hat, kann man den restlichen noch offenen Betrag bei der privaten Krankenzusatzversicherung einreichen. Auch hier gibt es Unterschiede, wieviel letztendlich abgegolten wird.

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Einen Sonderfall bilden Zahnbehandlungen. Diese sind meist in der Wahlarztversicherung nicht inkludiert und müssen durch eine zusätzliche Versicherung abgedeckt werden.

Sonstige Goodies der privaten Krankenversicherung

In Österreich sind nicht nur klassisch-notwendige Behandlungen durch die private Krankenzusatzversicherung abgedeckt, auch therapeutische Behandlungen wie Physio-, Ergo-, Psychotherapie oder Logopädie können inbegriffen sein.

Meistens ist auch eine sogenannte Krankenhaus- Taggeldversicherung inkludiert, diese leistet je nach Prämie einen festgesetzten Betrag pro Tag des Spitalaufenthalts. Auch der Verlust Ihres Einkommens, wegen Krankheit kann durch die Krankenhaus- Taggeldversicherung gemindert werden.

Für Frauen, die planen in nächster Zeit ein Kind zu bekommen, ist die private Krankenzusatzversicherung aber auf jeden Fall eine Überlegung wert, auch wenn man zum Zeitpunkt des Versicherungsabschlusses auf Grund der Wartepflicht noch nicht schwanger sein sollte. Manche Versicherungen decken nämlich zusätzliche pränatale Untersuchungen ab und erstatten Teile der Kosten für zusätzliche Hebammentermine. Der wichtigste Punkt in diesem Zusammenhang ist jedoch, dass manche Versicherungen das Neugeborene automatisch ab der Geburt mitversichern.

Als weiterer positiver Punkt ist zu beachten, dass die Kosten der privaten Zusatzversicherung nach dem Einkommenssteuergesetz in Österreich als Sonderausgaben absetzbar sind, wenn der Vertrag vor dem 1. Jänner 2016 abgeschlossen wurde (Achtung: Einschleifregelung noch bis einschließlich 2020).

Die Vorteile einer privaten Krankenzusatzversicherung noch einmal im Überblick:

Die Möglichkeit einen Wahlarzt oder eine Privatklinik aufzusuchen
Freie Wahl des Operationsarztes
Krankenhausaufenthalte im Einbett- oder Zweibettzimmer
Zusatzversicherung von der Steuer absetzbar
Bevorzugung bei Terminvergabe
Inkludierte Heilbehandlungen
Anspruch auf Krankenhaus Taggeld
Zusatzleistungen für schwangere Frauen

Versicherungsvergleich lautet die Devise!

Denkt man an eine private Krankenversicherung, so sollte man unbedingt vorher die Anbieter vergleichen. Man sollte sich dabei vor allem die Leistungen anschauen, auf die man besonderen Wert legt. Dabei ist nicht nur auf die Prämie zu achten, sondern auch auf die Höhe des Selbstbehalts. Meistens haben Polizzen mit besonders attraktiven, niedrigen Prämien einen hohen Selbstbehalt, wenn es beispielsweise um ambulante Behandlungen geht. Je mehr Leistung man durch die Zusatzversicherung möchte, desto teurer ist diese. Achtung: Vorerkrankungen dürfen nicht verschwiegen werden und fließen stark in die Prämie mit ein.

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Gilt die private Zusatzversicherung auch als eine Auslandskrankenversicherung?

Auch hier kommt es darauf an. Es gibt sowohl regionale, nationale und internationale Tarife. Entscheidet man sich für eine private Zusatzversicherung und ist oft im Ausland, so sollte man auf jeden Fall schauen, dass die private Krankenversicherung auch als Auslandskrankenversicherung fungiert. Denn die E-Card ist nicht überall gültig.

Kündigung einer privaten Zusatzversicherung

Vor einer Kündigung ist es wichtig, den Vertrag genau zu kennen. Alle Details zur Kündigung findet man in der Polizze. In der Regel haben private Zusatzversicherungen eine Kündigungsfrist von ein bis drei Monaten. Meistens kann jedoch nur am Ende eines Versicherungsjahres gekündigt werden.

Fazit: Lohnt sich die private Krankenversicherung?

Diese Frage lässt sich natürlich nur individuell beantworten. Die wichtigen Fragen, die man sich stellen sollte sind:

  • Habe ich in Zukunft mit vermehrten Krankenhausaufenthalten oder speziellen Zahnbehandlungen zu rechnen? (auch hier: Achtung Vorerkrankungen!)
  • Welche Form der privaten Absicherung benötige ich wirklich? Bei Beantwortung dieser Frage, kann Ihnen auch ein Versicherungsmakler helfen.
  • Lege ich Wert auf die bevorzugte Behandlung und habe ich damit ein besseres Gefühl?

Auch für seine Kinder sollte man sich überlegen, eine private Krankenzusatzversicherung abzuschließen. Denn diese ist bei Abschluss in jungen Jahren besonders günstig. Je älter man wird, desto teurer wird die Prämie. Deshalb ist es eine persönliche Ermessensentscheidung, ob einem der regelmäßige Besuch beim Lieblingswahlarzt oder ein Einbett-Zimmer im Krankenhaus das viele Geld auch wert ist, zudem der gesetzliche Schutz in Österreich die wichtigsten Gesundheitsleistungen abdeckt.

Mit regelmäßigen Fitnesstests kann man übrigens bei manchen Versicherungen die Prämie verringern.

Alexandra
Alexandra bloggt für den LAMIE Versicherungsblog über allgemeine Versicherungsthemen und Tipps. Außerdem erstellt sie leidenschaftlich gerne Checklisten. Wie alle Mitglieder des LAMIE Teams, möchte sie schwierige Versicherungsfragen auf einfache Weise darstellen. Für Anregungen, Wünsche oder detaillierte Fragen erreichen Sie Alexandra unter blog@lamie-direkt.at