Im Urlaub zum Arzt: Worauf muss ich achten?

Gibt es etwas unlustigeres, als im Urlaub zum Arzt zu müssen? Wenn man wegen eines Unfalls oder einer plötzlichen Erkrankung im Ausland eine Behandlung braucht, trübt das nicht nur das Urlaubserlebnis erheblich, sondern kann sich auch finanziell niederschlagen. Denn: Man sollte sich immer im Klaren sein, dass ärztliche Behandlungskosten auf Reisen eine enorme Kostenfalle darstellen können. Wie Sie sich dagegen absichern können und worauf Sie achten müssen, erfahren Sie im folgenden Beitrag.

Krank geworden innerhalb der EU- Die Europäische Reiseversicherungskarte „hilft“

Eines der wichtigsten Dinge überhaupt für den Urlaub ist, neben dem Reisepass, die E-Card. Auf ihrer Rückseite befindet sich die sogenannte Europäische Krankenversicherungskarte (EKVK). Diese ist blau hinterlegt und gilt in allen EU- Mitgliedsstaaten, EWR- Staaten sowie in der Schweiz, Mazedonien, Montenegro, Serbien und Bosnien-Herzegowina. In diesen Staaten erhalten Sie durch die EKVK dieselben Leistungen, als wären Sie als Inländer der Urlaubsdestination Opfer einer Krankheit oder eines Unfalls geworden.

Jedoch ist zu beachten, dass in Serbien, Montenegro und Bosnien-Herzegowina die Europäische Krankenversicherungskarte vorab dem dortigen Versicherungsträger vorgelegt werden muss, der dann einen ortsüblichen Behandlungsschein ausstellt. Es kann in diesen Ländern aber auch ein Auslandskrankenschein oder auch Urlaubskrankenschein vorgelegt werden, durch den man einen Anspruch auf ärztliche Leistungen erhält. In der Türkei kann lediglich der Auslandskrankenschein verwendet werden. Dieser wird grundsätzlich vor Urlaubsantritt vom Dienstgeber ausgestellt.

Beim Arztbesuch:

Vor dem Beginn jeder medizinischen Behandlung sollte die EKVK vorgezeigt werden, um Missverständnisse, was die Kostenübernahme der Behandlung betrifft, zu vermeiden. Zudem ist die E-Card im Ausland nur bei Vertragsärzten bzw. in öffentlichen Spitälern gültig. Suchen Sie dennoch einen Wahlarzt oder eine Privatklinik im EU-Ausland auf, freiwillig (wegen höherer medizinischer Standards) oder unfreiwillig (weil zum Beispiel kein Vertragsarzt zur Verfügung steht), müssen Sie die Kosten vorerst selbst begleichen.

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Sie sollten sich in diesem Fall unbedingt eine genaue Rechnung mit einer ausführlichen Übersicht der Kosten erstellen lassen – wenn möglich auf Englisch oder Deutsch. Diese kann dann bei der heimischen Gebietskrankenkasse eingereicht werden. Man erhält in der Regel 80% jener Behandlungskosten zurück, welche dieselbe Behandlung bei einem österreichischen Vertragsarzt gekostet hätte. Ist die Behandlung im Ausland teurer, müssen Sie den restlichen Betrag aus eigener Tasche bezahlen. Diese Deckungslücke ist leider nur den Wenigsten bewusst, weshalb wir eine eigene Reisekrankenversicherung empfehlen – vor allem bei Reisen nach Übersee.

Krank außerhalb der EU- Die Reisekrankenversicherung als Nonplusultra

In den oben nicht genannten Staaten wird die E-Card nicht akzeptiert und die Krankenkasse leistet nur teilweise Kostenersatz. Reise- und Transportkosten werden nicht bezahlt. Man sollte sich daher gut überlegen, ob man sich dem Risiko horrender Arztkosten aussetzen will (in den USA oder Kanada können die Behandlungskosten pro Tag vierstellig sein), oder ob man doch lieber eine Reiseversicherung abschließen sollte.

Die Reisekrankenversicherung deckt die Behandlungskosten im Ausland ab sowie die Kosten für einen schnellen Heimtransport, der beispielsweise unumgänglich ist, wenn man sich in Ländern mit schlechter medizinischer Versorgung aufhält. Oftmals lohnt es sich auch eine Kreditkarte mit Reisekrankenversicherung zu haben.

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Achtung: Für Senioren gibt es bei der Reiseversicherung oft gewisse Einschränkungen. Aber ganz allgemein gilt: Unbedingt die Arztrechnung direkt mitnehmen, aufheben und wenn nötig auf Englisch übersetzen lassen! – verlassen Sie sich nicht auf eine Nachsendung per Post oder E-Mail!

Reisekrankenversicherung, Auslandskrankenversicherung oder Langzeitreisekrankenversicherung

Egal welchen Begriff der jeweilige Versicherer verwendet, eine einheitliche Definition gibt es für die in der Überschrift genannten Begriffe leider nicht, weshalb man sich in keinem Fall auf einen gewissen Deckungsinhalt verlassen kann. Wir empfehlen, eine Liste mit den für Sie wichtigsten Punkten zu verfassen, die Sie bei der Angebotseinholung nennen und anhand derer Sie dann die verschiedenen Produkte vergleichen können. Zunächst sollte man abklären:

  • Gibt es mit meinem beabsichtigten Reiseland ein Abkommen oder kann ich sogar meine E-Card benutzen?
  • Wie lange und wie oft möchte ich dieses Jahr verreisen?
  • Bereise ich unterschiedliche Länder oder immer dasselbe?
  • Leide ich unter einer vor- oder chronischen Erkrankung und wird dadurch ein Arztbesuch im Ausland wahrscheinlich?
  • Welche Aktivitäten möchte ich während meiner Reise/ meinem Aufenthalt nachgehen?
  • Muss oder möchte ich während meiner Reise arbeiten oder ist sie rein privat?

Besonders bei längeren Auslandsaufenthalten ist Vorsicht geboten, da die meisten Reisekrankenversicherungen nur Reisen bis zu einer Dauer von 6 Wochen versichern. Möchte man sich also längere Zeit im Ausland aufhalten oder sogar dort einer Arbeit nachgehen, ist eine genaue Auseinandersetzung mit den einzelnen Angeboten unausweichlich.

Zusammenfassung: Krank im Urlaub – welche Versicherung brauche ich wann?
  1. Reisen in EU-Länder / mit Sozialversicherungsabkommen bei Vertragsärzten:
    Gesetzliche Krankenversicherung mit E-Card
  2. Reisen außerhalb der EU:
    Reisekrankenversicherung (EMPFOHLEN: auch bei Reisen innerhalb der EU)
  3. Längere Aufenthalte im Ausland:
    Auslandskrankenversicherung od. Langzeitreisekrankversicherung

Einen Ratgeber, für alle wichtigen Versicherungen für den Urlaub finden Sie hier .

Alexandra
Alexandra bloggt für den LAMIE Versicherungsblog über allgemeine Versicherungsthemen und Tipps. Außerdem erstellt sie leidenschaftlich gerne Checklisten. Wie alle Mitglieder des LAMIE Teams, möchte sie schwierige Versicherungsfragen auf einfache Weise darstellen. Für Anregungen, Wünsche oder detaillierte Fragen erreichen Sie Alexandra unter blog@lamie-direkt.at