Handyversicherung: Diese Irrtümer und Ausnahmen sollten Sie kennen

Der Markt für Handyversicherungen ist groß. So wie überall, gibt es gute und weniger gute Angebote. Einige sind sehr undurchsichtig, was ihre Leistungen betreffen. Daher kommt es nicht selten zu Streitfragen zwischen dem Kunden und der Versicherung, gerade bei Diebstahl oder Verlust des Smartphones. Logischerweise gibt es deshalb auch schon entsprechend viel Kritik im Netz. Doch wenn man ein transparentes und für sich das passendes Angebot gefunden hat, sich etwas mit den Bedingungen befasst und die häufigsten Ausnahmen kennt, lohnt sich eine Handyversicherung. Über die folgenden Informationen und Irrtümer rund um die Versicherung sollten Sie jedenfalls Bescheid wissen:

1. Einfacher Diebstahl versichert? Ja, ABER…

Einige Handyversicherungen decken zwar auch einfachen Diebstahl, jedoch nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen. Hier muss man sein Handy immer sorgfältig, sprich körpernahe und beaufsichtigt tragen, um den Versicherungsschutz aufrecht zu erhalten. Zum Beispiel indem man das Handy in der Jackeninnentasche, in der vorderen Hosentasche oder in der verschlossenen Tasche vor dem Körper trägt.

Tut man dies nicht, und verwahrt man das Handy sorglos, wird das von der Handyversicherung als grob fahrlässiges Verhalten eingestuft. Dies wäre der Fall, wenn man mit dem neuen Premium-Smartphone um 1.000 € in der offenen Handtasche am Rücken in der vollen Straßenbahn fährt und dabei das Handy wegen seiner Größe auch noch aus der Tasche herausschaut.
Rutscht das Handy aus der Tasche heraus, liegt häufig gar kein versicherter Diebstahl vor, sondern ein nicht versichertes Verlieren – Versicherungsleistung: Fehlanzeige!

Wenn man das Handy wie oben dargestellt sorgfältig verwahrt, ist ein Diebstahl nahezu ausgeschlossen, bei einer sorglosen Verwahrung hingehen vorprogrammiert. Da man häufig keine Versicherungsleistung bekommt, kann man sich die Mehrkosten für die (optionale) Diebstahldeckung eigentlich auch sparen.

2. Haushaltsversicherung zahlt eh…

Auch andere Versicherungen, wie die Haushaltsversicherung lassen falsche Gedanken aufkommen. Beispielsweise, dass das Handy als Hausrat etwa bei Feuer, Einbruch und Blitzschlag mitversichert ist. Das ist schon richtig, jedoch auch nur, wenn der Schaden in den eigenen vier Wänden auftritt. Das Gros aller Schäden deckt die Haushaltsversicherung üblicherweise nicht – Sturz/Bruch ist keine versicherte Gefahr im Sinne der Haushaltsversicherung und somit gar nicht gedeckt.

Auch in der Haushaltsversicherung ist einfacher Diebstahl etwa auf der Straße, in öffentlichen Verkehrsmitteln, im Lokal oder im Einkaufszentrum nicht gedeckt. Achtung: Wegnahme unter Ausnützung eines Überraschungsmomentes und ohne Gegenwehr des Opfers ist immer einfacher Diebstahl.
Einige Haushaltsversicherungen bieten Versicherungsschutz, wenn das Handy etwa im Park, am Bahnhof oder auf Veranstaltungen mit Gewalt, Drohung oder Einschüchterung weggenommen wird (Raub). Achtung: Wenn Sie unmittelbar nach einem bemerkten Diebstahl das Handy zurückerlangen wollen und Sie werden vom Täter dann bedroht oder geschlagen, dann handelt es sich aller Voraussicht nach um einen nicht versicherten, räuberischen Diebstahl.

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3. Da gibt’s ja eh die Gewährleistung vom Händler bzw. die Garantie vom Hersteller!

Irreführend ist auch das häufige Argument, dass man nicht unbedingt eine Handyversicherung benötigt, weil der Händler, bei dem man das Smartphone gekauft hat, für die Mangelfreiheit einstehen muss („Gewährleistung“) und zudem der Hersteller des Handys die Fehlerfreiheit garantiert („Herstellergarantie“).

Die häufig auftretenden Sturz-/Bruch-Schäden bzw. Displaybrüche entstehen durch ungeschicktes Hantieren und sind somit kein Gegenstand von Herstellergarantie und Gewährleistung. Ebenso bei Feuchtigkeitsschäden – hier kann man nur dann Ansprüche aus Herstellergarantie und Gewährleistung geltend machen, wenn das Smartphone eigentlich wasserdicht sein müsste und dennoch ein Feuchteschaden auftritt.

Auch können Sie Ansprüche aus Gewährleistung nur in einem gewissen Zeitraum geltend gemacht werden (24 Monate). Danach auftretende Produktmängel können über die Garantieverlängerung einer Handyversicherung abgewickelt werden.

4. Die Versicherungsleistung reicht für den Neukauf …

Bei einigen Handyversicherungen bekommt man bei einem Schaden nur den Zeitwert des Smartphones ersetzt – das heißt der Neupreis wird um einen zeit- und nutzungsabhängigen Abschlag (oft erheblich) reduziert. Die Ersatzleistung des Versicherers reicht daher meist nicht für eine Neuanschaffung.
Im Gegensatz dazu erhält man beim Neuwertersatz den vollen Schaden ersetzt, unabhängig ob die Sachen den Wert zum gegenständlichen Zeitpunkt hatten. Deshalb ist es ratsam beim Abschluss einer Handyversicherung auf Neuwertersatz zu achten.

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5. Grobe Fahrlässigkeit beachten

In Punkto grobe Fahrlässigkeit gibt es die häufige Kritik, dass Handyversicherungen nicht zahlen, wenn das Handy nicht „sorgfältig aufbewahrt“ wird. Grundsätzlich ist aber allgemein bei Versicherungen auf den Ausschluss der groben Fahrlässigkeit zu achten und daher ganz üblich.

Was heißt das eigentlich „Grobe Fahrlässigkeit“? Man schaut sich an, wie sich ein maßgerechter Mensch in der konkreten Situation verhalten würde und vergleicht das mit dem Verhalten, das der Versicherte gesetzt hat. Je mehr die Handlungen voneinander abweichen, desto eher ist es als grob fahrlässig einzustufen. Oder technisch ausgedrückt: „Grob fahrlässig handelt, wer die gebotene Sorgfalt besonders ungewöhnlich und auffallend außer Acht lässt.“

Hier einige Beispiele zur Veranschaulichung:

  • Straßenbahnfahren mit dem Handy in der offenen Handtasche am Rücken
  • Mitnehmen des nicht wasserdichten Smartphones in die Badewanne oder den Pool
  • Längeres Zurücklassen des Handys im PKW am Armaturenbrett
  • Ablegen des Handys unmittelbar neben der Grillfläche

Trotz dieser Ausnahmen gibt es jedoch Gründe, warum sich so viele Menschen für eine Handyversicherung entscheiden. Der Wichtigste: Das Nutzerverhalten hat sich verändert. Wir brauchen das Gerät den ganzen Tag über und das nicht nur zum Telefonieren. Brüche und Wasserschäden sind im Alltag schnell passiert. Und gerade bei neuen Geräten trägt man einen sehr hohen Sachwert mit sich herum, den man mit einer passenden Versicherung schützen kann.

Achten Sie beim Abschluss auf den Versicherungsumfang und lassen Sie sich die Ausschlüsse erklären bzw. lesen Sie diese in den Versicherungsbedingungen nach.

Alexandra
Alexandra bloggt für den LAMIE Versicherungsblog über allgemeine Versicherungsthemen und Tipps. Außerdem erstellt sie leidenschaftlich gerne Checklisten. Wie alle Mitglieder des LAMIE Teams, möchte sie schwierige Versicherungsfragen auf einfache Weise darstellen. Für Anregungen, Wünsche oder detaillierte Fragen erreichen Sie Alexandra unter blog@lamie-direkt.at