Gefahren im Alltag: Was deckt die private Haftpflichtversicherung?

Die Haftpflichtversicherung deckt Schäden aus dem alltäglichen Leben, die man versehentlich jemand anderem verursacht. Dies kann im privaten Alltag überall passieren und hohe Schadenersatzansprüche nach sich ziehen, weshalb die Versicherung auch so essentiell ist. Aber was zählt nun zu einer Gefahr des täglichen Lebens und wie außergewöhnlich muss eine Situation sein, dass die Haftpflichtversicherung aussteigt. LAMIE klärt auf.

Gefahr des täglichen Lebens versichert

Auch wenn die private Haftpflichtversicherung – die in Österreich normalerweise in jeder Haushaltsversicherung enthalten ist – als wichtige Alltagsversicherung angesehen wird, deckt sie längst nicht alle Lebenssituationen ab. Die Haftpflichtversicherung möchte nur Risiken vorbeugen, welche sich im privaten Alltag (Beruf und vertragliche Verpflichtung ausgenommen) ereignen können. Das bedeutet nicht, dass es eine Gefahr sein muss, der man regelmäßig bzw. „alltäglich“ ausgesetzt ist, damit die Versicherung bei einem Schaden zahlt. Es kommt vielmehr darauf an, ob sich die Gefahr erfahrungsgemäß im normalen Lebensverlauf immer mal wieder, sei es auch nur selten, vorkommt. Der OGH hat zu der Frage schon öfter Stellung bezogen und sogar auch einen Unfall im Rahmen einer Hochgebirgstour oder beim Tontaubenschießen als „Gefahr des täglichen Lebens“ deklariert.

Da die Verpflichtung Schadenersatz leisten zu müssen, sowieso eine Ausnahmesituation für einen gewöhnlichen Versicherungsnehmer darstellt, möchte die Privathaftpflichtversicherung also grundsätzlich auch Deckung für außergewöhnliche Situationen schaffen.

Aber wann ist eine Gefahr so ungewöhnlich, dass die Haftpflichtversicherung aussteigt?

Keine „Gefahr des täglichen Lebens“ liegt hingegen vor, wenn es sich um eine im Vorhinein geradezu ungewöhnliche Gefahr handelt oder wenn die Situation aus bloßem Mutwillen bewusst geschaffen wird. Das ist zum Beispiel beim Hantieren mit gefährlichen Stoffen der Fall, etwa beim Spielen mit Streichhölzern oder gar Böllern. Wenn man sich aktiv an Handgreiflichkeiten oder Raufereien beteiligt und dabei jemanden verletzt, steigt die Privathaftpflichtversicherung ebenfalls aus.

Wir haben einen kuriosen Fall aus dem Jahr 2015 gefunden, der das Thema verdeutlicht:

Ein Versicherungsnehmer hat in einer Bar einen Annäherungsversuch an eine Dame gewagt, die ihn abblitzen ließ. Unbeirrbar gab er sich jedoch nicht mit dem Korb zufrieden und blieb hartnäckig. Der Mann setzte sich dann so zur Frau hin, dass diese nicht mehr aufstehen und weggehen konnte. Sie sah sich dann veranlasst, sich zur Wehr zu setzen – dabei wurde sie vom Mann unabsichtlich verletzt. Die Haftpflichtversicherung des Mannes musste den Schaden nicht decken, denn das Vorliegen einer „Gefahr des täglichen Lebens“ wurde in diesem Fall verneint: „Ein durchschnittlicher Versicherungsnehmer würde die eindeutige Ablehnung einer Frau akzeptieren“.

Hoffentlich konnten wir mit diesem Beitrag etwas Licht in diese äußerst komplexe und hoch juristische Sache bringen. Kommentare, persönliche Erfahrungen und Fragen zum Thema Haftpflicht sind wie immer willkommen. Außerdem sollten Sie unbedingt noch unseren Beitrag „Haftpflichtversicherung Österreich: Die 7 häufigsten Irrtümer“ lesen. Dort haben wir die 7 häufigsten Fehlannahmen in Sachen Haftpflichtversicherung für Sie zusammengefasst.

Alexandra
Alexandra bloggt für den LAMIE Versicherungsblog über allgemeine Versicherungsthemen und Tipps. Außerdem erstellt sie leidenschaftlich gerne Checklisten. Wie alle Mitglieder des LAMIE Teams, möchte sie schwierige Versicherungsfragen auf einfache Weise darstellen. Für Anregungen, Wünsche oder detaillierte Fragen erreichen Sie Alexandra unter blog@lamie-direkt.at