E-Bike: Wann besteht Versicherungspflicht?

Selbst wenn der Anschaffungspreis nach wie vor ihr Hauptproblem ist: Der Markt für E-Bikes boomt. E-Bikes könnten für so manchen die Alternative zum Auto werden. Hersteller werben teilweise mit Geschwindigkeiten von rund 100 km/h und Reichweiten von bis zu 100 km.  Österreich liegt nach den Niederlanden und Belgien europaweit im Spitzenfeld. Jedes fünfte verkaufte Rad (insgesamt 86.000 Stück) war 2016 hierzulande bereits ein E-Bike. Wir klären auf, ob eine Versicherungspflicht besteht, eine Straßenzulassung nötig ist und was es sonst noch zu beachten gibt!

Rad durch Elektrofahrräder neu erfunden?

Das Fahrrad ist per Definition eine Vorrichtung zur Übertragung der menschlichen Muskelkraft auf die Antriebsräder. Pedelecs und E-Bikes sind durch einen elektrischen Hilfsmotor ausgestattet und zählen rechtlich gesehen, nur bis zu einer bestimmten Bauartgeschwindigkeit und Leistung zu den Fahrrädern, ansonsten gelten sie als Moped oder Motorrad („Kraftrad“).

E-Bike vs Pedelec – worin liegt der Unterschied?

Pedelec steht für Pedal Electric Cycle – ein Elektrofahrrad, das den Antrieb durch die Pedale unterstützt. Nur beim Tritt in die Pedale setzt der Motor unterstützen ein. Beim E-Bike kann man den Motor unabhängig vom Tritt in die Pedale per Gasgriff zuschalten.

Wichtig: Vor Reisen in andere EU-Länder sollte man sich über die dortigen Regelungen erkundigen! Hier gibt es große Unterschiede in Punkto Führerschein, Helm- und Versicherungspflicht, Zulassung und Radwegbenutzung.

Wer braucht ein Kennzeichen, wer nicht?

Das Kraftfahrzeuggesetz regelt, unter welchen Voraussetzungen ein E-Bike als Fahrrad, als Moped oder als Motorrad gilt.

Art Verwendungsvoraussetzungen in Österreich
Fahrrad

  • bis 25 km/h
  • bis 600W
  • Mindestalter: 10 Jahre mit Radfahrprüfung, 12 Jahre ohne Radfahrprüfung
Das E-Bike gilt als Fahrrad und darf unter denselben Voraussetzungen wie ein Fahrrad im Straßenverkehr verwendet werden. Das heißt:

  • es braucht Sicherheitseinrichtungen (zwei separate Bremsen, Klingel, Scheinwerfer, beleuchtetes Rücklicht, Rückstrahler – weiß vorne, gelb seitlich, rot hinten);
  • es besteht Helmpflicht für Kinder bis 12 Jahre;
  • es besteht keine Versicherungspflicht (Fahrradfahren kann aber in einer bestehenden Privathaftpflichtversicherung gedeckt sein).
Moped

  • bis 45 km/h
  • bis 4 kW
  • Mindestalter: 15 Jahre, mit Moped-Führerschein
E-Bikes die unter diese Kategorie fallen, gelten als „Kraftrad“ bzw. als Kraftfahrzeug. Das heißt:

  • es besteht Zulassungs-, Versicherungs- und Helmpflicht;
  • Mopeds müssen rote Kennzeichen tragen, Motorräder weiße;
  • das E-Bike muss jährlich zur Pickerl-Überprüfung;
  • Fahrradwege und -spuren dürfen nicht verwendet werden;
  • Die Zusatztafel „Ausgenommen Fahrräder“ gilt nicht für Krafträder (zB bei Fahrverboten, bei Einbahnen, auf Forststraßen die für Mountainbikes freigegeben sind).
  • zusätzliche Sicherheitseinrichtungen sind erforderlich: Rückspiegel, Bremslicht, Kennzeichenbeleuchtung.
Motorrad

  • ab 45 km/h
  • ab 4 kW
  • Mindestalter: 16 Jahre, mit Motorrad-Führerschein

 Achten Sie beim Kauf von leistungsstarken E-Bikes darauf, dass es einen Typenschein („certificate of conformity“) gibt. Ansonsten fallen für die Einzelgenehmigung mindestens EUR 150 an.

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Mein E-Bike ist ein Kraftfahrzeug – Was nun?

Gilt Ihr E-Bike als Moped oder Kraftfahrzeug, dann müssen Sie es anmelden und dürfen es nur unter den oben beschriebenen Voraussetzungen betreiben. Verstöße, wie Fahren ohne Führerschein oder Zulassung, werden mit Verwaltungsstrafen geahndet werden.

Achtung: Schäden aus der Verwendung eines E-Bikes, das als Kraftrad gilt, sind in der Privathaftpflichtversicherung nicht gedeckt. Besteht auch keine KFZ-Haftpflichtversicherung, dann haften Sie mit Ihrem gesamten Vermögen und unbeschränkt für Personen und Sachschäden aus einem Unfall! Hohe Schadenersatzforderungen und Verteidigungskosten können ihre finanzielle Existenz nachhaltig gefährden.

E-Bike-Unfall – Hilft mir der Verkehrsopferentschädigungsfond?

Personen die infolge eines Verkehrsunfalls einen Personen- oder Sachschaden erlitten haben, können sich in gewissen Fällen mit den Schadenersatzforderungen an den Verkehrsopferentschädigungsfond wenden; unter anderem wenn:

  • der Unfallverursacher ein Fahrradfahrer ist; oder
  • der Unfallverursacher ein E-Bike, das als Kraftrad gilt, ohne Versicherung und Zulassung betrieben hat.

Wenn nun der Verkehrsopferentschädigungsfond dem Geschädigten einen Schaden ersetzt, den Sie als Fahrradfahrer oder als „Kraftrad-E-Biker“ verursacht haben, heißt das nicht, dass Sie damit aus dem Schneider sind. Seine Leistung kann der Verkehrsopferentschädigungsfond bei Ihnen regressieren – im schlimmsten Fall werden Sie dabei auf Jahre hinaus auf das Existenzminimum gepfändet.

Gilt Ihr E-Bike als Fahrrad, dann überprüfen Sie Ihren Versicherungsschutz im Rahmen der Privathaftpflichtversicherung. Gilt Ihr E-Bike als Moped oder Motorrad, dann sorgen Sie für eine KFZ-Zulassung, wenn Sie es im Straßenverkehr verwenden wollen.

EU-Kommission fordert Pflichtversicherung …

Am 24.05.2018 wurde ein Vorschlag zur Verschärfung der Kraftfahrzeug-Versicherung publiziert. Darin ist eine verpflichtende Motorhaftpflichtversicherung für alle elektromotorisierten Räder geplant – auch für jene die nur eine Tretunterstützung bis 25 km/h bieten.

Alexandra
Alexandra bloggt für den LAMIE Versicherungsblog über allgemeine Versicherungsthemen und Tipps. Außerdem erstellt sie leidenschaftlich gerne Checklisten. Wie alle Mitglieder des LAMIE Teams, möchte sie schwierige Versicherungsfragen auf einfache Weise darstellen. Für Anregungen, Wünsche oder detaillierte Fragen erreichen Sie Alexandra unter blog@lamie-direkt.at