Coronavirus: Wer zahlt bei Quarantäne oder Krankheit?

Die Ungewissheit rund um das Coronavirus und dessen rasante Verbreitung sorgt bei vielen für ein schlechtes Bauchgefühl. Immer mehr bereitet man sich für den Fall vor, dass man selbst unter Quarantäne fällt und für einige Zeit das Haus nicht mehr verlassen zu darf oder ganze Gebiete gesperrt werden. Teilweise werden Supermärkte deshalb fast leergeräumt. Doch wie sieht es aus, wenn man aufgrund der Epidemie nicht zur Arbeit gehen kann oder die Arbeitsstätte selbst für einige Zeit geschlossen wird? Welche Rechte Sie als Arbeitnehmer und Arbeitsgeber haben, können Sie hier nachlesen.

Unter Quarantäne gelandet, bekomme ich mein Gehalt weiterhin?

Was das betrifft, können wir Sie soweit schon einmal beruhigen. Der Arbeitgeber ist laut Epidemiegesetz verpflichtet, das Gehalt weiter zu bezahlen, wenn Sie aufgrund einer behördlichen Quarantäne zuhause festsitzen und Ihrer Arbeitsleistung nicht nachgehen können. Auch die Beiträge zur Sozialversicherung werden weiterhin geleistet. Als Arbeitgeber kann man in diesem Fall allerdings vom Bund Kostenersatz beantragen.

Für Dienstnehmer, die im Ausland unter Quarantäne gestellt werden und deshalb nicht an ihrem Arbeitsplatz in Österreich erscheinen können, gilt das österreichische Epidemiegesetz nicht. Allgemeine arbeitsrechtliche Bestimmungen bleiben aber unverändert anwendbar. Das heißt es besteht generell ein Anspruch auf Entgeltfortzahlung, wenn man durch wichtige, die Person betreffende Gründe ohne Verschulden an der Arbeitsleistung gehindert wird. Eine tatsächliche oder rechtliche Verhinderung der Rückreise stellt einen gerechtfertigten Abwesenheitsgrund von der Arbeit dar, als Arbeitnehmer können Sie daher nicht entlassen werden.

Gebiete gesperrt – kann ich von der Arbeit zuhause bleiben?

Grundsätzlich nein. Wenn die Arbeitsstätte, der eigene Wohnort oder der Weg zur Arbeit sich in einem Quarantänegebiet befinden, darf man nur dann der Arbeit fernbleiben, wenn tatsächlich Ansteckungsgefahr besteht. Das ist der Fall, wenn es im unmittelbaren Arbeitsumfeld bereits zu Ansteckungen gekommen ist.

Wenn man allerdings zur Betreuung seiner Kinder zuhause bleiben muss, weil der Kindergarten oder die Schule aufgrund von behördlichen Maßnahmen gesperrt ist und man sonst keine Möglichkeit hat, diese woanders unterzubringen, ist die Abwesenheit gerechtfertigt. Man hat Anspruch auf Entgeltfortzahlung für die Dauer der Quarantäne.
 
Arbeitsplatz
 

Erkrankung durch Coronavirus

Im Krankheitsfall hat man denselben Anspruch auf Entgeltfortzahlung nach den gesetzlichen bzw. kollektivvertraglichen Bestimmungen. Das heißt, es liegt ein normaler Krankenstand vor und man benötigt wie üblich eine ärztliche Bestätigung. Als Arbeitsnehmer müssen Sie, in Anbetracht der Umstände bei Infektionskrankheiten, Ihren Arbeitgeber von der Corona Infektion berichten.
Arbeitgeber mit maximal bis zu 50 Mitarbeitern können bei einem längeren Krankenstand ab dem 11. Krankheitstag des Arbeitnehmers einen Zuschuss zur Entgeltfortzahlung von der AUVA erhalten. Dafür müssen die Arbeitgeber fristgerecht einen Antrag einbringen.

Achtung: Erkrankt der Arbeitnehmer während seines Urlaubs in einem gefährdeten Gebiet, könnte der Arbeitgeber unter Umständen die Entgeltfortzahlung verweigern, da der Arbeitnehmer seine Arbeitsunfähigkeit grob fahrlässig herbeigeführt hat.

Angst vor Ansteckung – darf man von der Arbeit fernbleiben?

Rein aus schlechtem Bauchgefühl ist eine Arbeitsverweigerung nicht gerechtfertigt. Eine Rechtfertigung für das Fernbleiben vom Arbeitsplatz wäre nur dann gegeben, wenn eine nachvollziehbare Gefahr besteht, dass eine Ansteckung möglich ist. Zum Beispiel, wenn es im unmittelbaren Arbeitsumfeld bereits Erkrankungen gab oder gibt (von Gesundheitsberufen einmal abgesehen). Allgemein betrachtet obliegt dem Arbeitgeber generell eine Fürsorgepflicht und er hat sobald er Kenntnis von der Ansteckungsgefahr erlangt, alle Maßnahmen zur Vorbeugung von beruflich bedingten Krankheiten und Unfällen treffen. In Gesundheitsberufen werden Mitarbeiter etwa neben einer Unterweisung auch Schutzausrüstungen, wie Atemschutzmasken oder Schutzkleidung durch den Arbeitgeber zur Verfügung gestellt.

Telearbeit / Home-Office muss mit dem Arbeitgeber vorher vereinbart werden. Auch der Arbeitgeber kann somit keine Telearbeit anordnen, wenn es zuvor keine entsprechende Vereinbarung gab.

Dienstreisen in betroffene Gebiete dürfen nur dann verweigert werden, wenn für eine Reisewarnung des Bundesministeriums für Europäische und internationale Angelegenheiten besteht oder eine Ansteckungsgefahr sonst irgendwie belegbar ist (z.B. Aushängung von Quarantäne, Notstand). Von der anderen Seite betrachtet, darf auch der Arbeitgeber die Zusammenarbeit mit dem Arbeitnehmer nicht verweigern, wenn dieser ohne Krankheitssymptome aus einem betroffenen Corona-Gebiet zurückkommt.

Alexandra
Alexandra bloggt für den LAMIE Versicherungsblog über allgemeine Versicherungsthemen und Tipps. Außerdem erstellt sie leidenschaftlich gerne Checklisten. Wie alle Mitglieder des LAMIE Teams, möchte sie schwierige Versicherungsfragen auf einfache Weise darstellen. Für Anregungen, Wünsche oder detaillierte Fragen erreichen Sie Alexandra unter blog@lamie-direkt.at