Betriebliche Altersvorsorge in Österreich: Diese Formen gibt es

Neben der ersten Säule des österreichischen Pensionssystems, der gesetzlichen Pensionsversicherung, bestehen noch zwei weitere Säulen, auf die man in Hinblick auf einen finanziell abgesicherten Ruhestand baut: die betriebliche und die private Altersvorsorge. Aufgrund der andauernden Diskussionen über die mangelnde Finanzierbarkeit der ersten Säule und der oft verbreiteten Message an die jungen Generationen, dass sich dadurch eine ausreichende Absicherung für sie mathematisch nicht mehr ausgehen wird, haben sich viele verschiedene Modelle der Vorsorge – mit teilweise sehr ähnlichen Begrifflichkeiten – herauskristallisiert. In diesem Beitrag behandeln wir die betriebliche Altersvorsorge und haben ihre Formen und deren Unterschiede zusammengefasst.

Aufgrund der Steuerbegünstigung sind betriebliche Altersvorsorgemaßnahmen für Unternehmen die kostengünstigere Alternative zu einer Gehaltserhöhung. Sämtliche Formen der betrieblichen Altersvorsorge unterliegen dem Betriebspensionsgesetz bzw. dem Pensionskassengesetz und können nur in Anspruch genommen werden, wenn der Arbeitgeber dies anbietet. Grundsätzlich kann jeder Arbeitgeber frei wählen, ob er seinen Mitarbeitern eine zusätzliche Altersvorsorge bereitstellt. Eine Verpflichtung gibt es nicht. Hier ein kurzer Überblick über die möglichen Modelle:

  • Pensionskasse / Betrieblichen Kollektivversicherung (BKV): Beide Pensionskassenlösungen bieten den Vorteil, dass die Pension vom Schicksal des Unternehmens unabhängig ist. Sie bieten für den Arbeitgeber steuerliche Vorteile.
  • Sonstige betriebliche Zukunftsvorsorge: Einzahlungen, Veranlagungsgewinn und Auszahlung sind steuerfrei. Beiträge sind mit 25 € pro Monat limitiert. Zu diesem Modell zählen auch direkte Pensionszusagen (Rückstellungen in der Firmenbilanz).

1. Pensionskassa

Jede Pensionskasse hat Zusagen auf Alters- und Hinterbliebenenversorgung zu gewähren, zusätzlich können Zusagen auf Invaliditätsversorgung vereinbart werden. Es gibt insgesamt 9 Pensionskassen, die heute etwas 23% der Österreicher versichern. Sie sind hierzulande somit der größte private Pensionszahler. Pensionskassen sind als Aktiengesellschaften organisiert, die eine oder mehrere Veranlagungs- und Risikogemeinschaften (VRG) verwalten und die Beiträge am Kapitalmarkt veranlagen. Eine VRG kann aus mehreren kleinen oder auch aus einem einzelnen Großunternehmen bestehen. Pro VRG sind die Veranlagungsergebnisse unterschiedlich, daher auch die Zusatzpensionen, die sich daraus ergeben. Der langjährige Durchschnitt liegt aber bei einem Anlageergebnis von +5,17 Prozen. Letztes Jahr wurde allerdings ein Minus von 5,18% erwirtschaftet. Es gibt eine Mindestertragsgarantie, welche die Pensionskassen zu erfüllen haben, die jedoch auch ausgeschlossen werden kann. Des Weiteren gilt es hier noch zwischen dem beitragsorientierten Modell (die Höhe der Beiträge ist vertraglich festgelegt, die ausgezahlte Pension kann jedoch variieren) und dem leistungsorientierten Modell (die Höhe der Pension ist vertraglich vereinbart, weshalb es zu unterschiedlichen Beitragszahlungen kommen kann) zu unterscheiden.

2. Betriebliche Kollektivversicherung (BKV)

Bei der Betrieblichen Kollektivversicherung (BKV) ist eine Mindestverzinsung (derzeit 0,5%) und somit eine garantierte Rentenhöhe vertraglich fixiert. Anders als bei den Pensionskassen sind hier niedrigere Renditen, dafür aber hohe Sicherheiten zu erwarten. Die BKV ist nichts anderes als eine Lebensversicherung, die als Rentenlösung konzipiert ist. Vertraglich kann auch eine Berufsunfähigkeits- und Hinterbliebenenpension vereinbart werden.

Für den Arbeitgeber sind Einzahlungen in eines der ersten beiden Systeme in der Höhe von maximal 10% der Lohnsumme reizvoll, weil diese als Betriebsausgaben absetzbar und die Beiträge von Lohnnebenkosten befreit sind.

Mitarbeiter können private Zuzahlungen in das System leisten. Dabei wird eine Summe von bis zu 1.000 € pro Jahr mit 4,25% staatlich gefördert. Die Rente, die aus den Eigenerlägen erwirtschaftet wird, ist zudem steuerfrei. Jener Anteil, der vom Betrieb einbezahlt und als Pension ausbezahlt wird, wird aber besteuert.

Was passiert mit den Beiträgen bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses?

Bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses kann der Arbeitnehmer die betriebliche Kollektivversicherung seines alten Arbeitgebers prämienfrei weiterführen oder den Wert dieser Ansprüche (Unverfallbarkeitsbetrag) in eine Pensionskasse oder betriebliche Kollektivversicherung seines neuen Arbeitgebers übertragen. Auch bei der Pensionskassenlösung sind die Zahlungen vom Betrieb unabhängig.

Achtung: Diese Formen der betrieblichen Altersvorsorge sind nicht mit den betrieblichen Vorsorgenkassen (Abfertigung NEU) zu verwechseln. Arbeitgeber müssen in jedem Fall 1,53% vom Bruttolohn für die betriebliche Vorsorge abführen. Bei einem Jobwechsel kann der Arbeitnehmer den angesparten Betrag unter gewissen Voraussetzungen vorzeitig entnehmen. Sowohl Arbeitgeber als auch Angestellte können freiwillig nicht mehr einzahlen. Die Leistung ist als Einmalbetrag gedacht. Es besteht aber die Möglichkeit diesen Einmalbetrag bei Pensionsantritt in die Pensionskasse zu übertragen und somit in eine lebenslange Rente umzuwandeln – vorausgesetzt natürlich, es gibt in dem jeweiligen Unternehmen eine Pensionskassenlösung.

3. Betriebliche Zukunftsvorsorge bzw. Zukunftssicherung

Bei diesem Modell schließt der Arbeitgeber zugunsten seiner Mitarbeiter ein Lebens-/Pensions-, Unfall-, Kranken- oder Pflegeversicherung ab. Die Einzahlungen (vom Arbeitgeber oder -nehmer) sowie auch der Veranlagungsgewinn und die Auszahlung sind steuerfrei. Daher gilt diese Form der betrieblichen Vorsorge auch als „Steuerzuckerl“. Die Beiträge, die steuerfrei geleistet werden können, sind aber mit 300 Euro pro Jahr limitiert.

Im Insolvenzfall besteht kein Risiko für den Arbeitnehmer, da dieser allein bezugsberechtigt ist. Bei Berufswechsel können jedoch Probleme auftauchen. Wird der Vorsorge-Vertrag beim neuen Arbeitgeber nicht weitergeführt, sondern in einen Einzelvertrag umgewandelt, entfällt die Befreiung von der Lohnsteuer. Wird der Vertrag vorzeitig „zurückgekauft“ (also gekündigt), kann sogar ein Verlust entstehen.

4. Pensionszusage

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Arbeitgeber können ihren Mitarbeitern auch direkte Pensionszusagen machen, was jedoch in der Regel dafür gedacht ist, ausgesuchte Angestellte mit leitender Position an das Unternehmen zu binden. Dafür werden jährliche Rückstellungen in der Firmenbilanz gebildet und/oder über eine Pensionsrückdeckungsversicherung (Lebensversicherung) ausfinanziert. Von den Einzahlungen werden keine Lohnsteuer- sowie Sozialversicherungsbeiträge abgezogen und Unternehmen können die Beiträge als Betriebsausgabe (gewinnmindernd) deklarieren. Steuerpflicht des Versicherten besteht erst bei Pensionsantritt. Optional zur Alterspension können Pensionszusagen auch Invaliditäts- und Hinterbliebenenpensionen enthalten. Die monatliche Rente darf nicht höher als 80% des letzten Gehalts sein, wobei solche Prozentsätze praktisch selten vorkommen, da die gesetzliche Pension und die Firmenpension zusammen logischerweise auch nicht mehr als das letzte Gehalt ausmachen dürfen.

Das Risiko: Die Betriebspensionen sind direkt an das Schicksal des Unternehmens geknüpft und können daher beispielsweise im Konkursfall gefährdet sein, dies obwohl der Arbeitnehmer ein gesetzliches Pfand- und Befriedigungsrecht auf die Wertpapiere hat, welche zur Deckung der Ansprüche vom Arbeitgeber vom übrigen Betriebsvermögen abzugrenzen und zu individualisieren sind.

Alexandra
Alexandra bloggt für den LAMIE Versicherungsblog über allgemeine Versicherungsthemen und Tipps. Außerdem erstellt sie leidenschaftlich gerne Checklisten. Wie alle Mitglieder des LAMIE Teams, möchte sie schwierige Versicherungsfragen auf einfache Weise darstellen. Für Anregungen, Wünsche oder detaillierte Fragen erreichen Sie Alexandra unter blog@lamie-direkt.at