Berufsunfähigkeitsversicherung: Was ist das und für wen ist es sinnvoll?

Im Zehnjahresvergleich steigen rund 15-20% der Pensionisten in Österreich aus gesundheitlichen Gründen frühzeitig aus dem Berufsleben aus. Rund 35% der Fälle sind auf psychische Erkrankungen zurückzuführen. Der eigene Lebensunterhalt ist durch die staatliche Berufsunfähigkeitsrente nur bedingt gesichert. Wir verraten Ihnen, was eine private Berufsunfähigkeitsversicherung bringt und für wen sie sinnvoll ist.

Staatlicher Schutz bei Berufsunfähigkeit

Die staatliche Berufsunfähigkeitspension ist eine beitragsfinanzierte Sozialleistung und die Höhe der Pension richtet sich nach bisherigen Beitragsjahren und dem Einkommen. Nicht selten klafft daher eine große Lücke zwischen dieser Rente und dem ursprünglichen Verdienst. Laut Statistik Austria lag die durchschnittliche Arbeitsunfähigkeitsrente 2015 bei 1.238 € für Männer und 875 € für Frauen. Üppig ist was anderes!

Hier ein paar Daten und Fakten: Gilt man laut medizinischem Gutachten als arbeitsunfähig, hat man als Sozialversicherter in Österreich Anspruch auf staatliche Berufsunfähigkeits- (Angestellte) bzw. Invaliditätspension (Arbeiter), wenn:

  • die Invalidität/Berufsunfähigkeit voraussichtlich sechs Monate andauert,
  • kein Rechtsanspruch auf berufliche Maßnahmen der Rehabilitation besteht (die Maßnahmen müssen zweckmäßig und auch zumutbar sein),
  • eine Mindestanzahl an Versicherungsmonaten erworben wurde (altersbedingte Wartezeit),
  • die Voraussetzungen für eine (vorzeitige) Alterspension noch nicht erfüllt sind.

In der Regel gilt jemand als berufsunfähig bzw. invalid, wenn er innerhalb der letzten 15 Jahre in zumindest 90 Versicherungsmonaten (7,5 Jahre) berufstätig gewesen ist und die Arbeitsfähigkeit um weniger als die Hälfte vermindert ist. Liegen zwischen Ende der Ausbildung und Pensionsstichtag weniger als 15 Jahre, wird die Anzahl der benötigten Versicherungsmonate entsprechend verkürzt (man braucht aber mind. 12 Versicherungsmonate). Nur bei gelernten oder angelernten Berufen gilt hier ein Berufsschutz, das heißt, es darf keine Tätigkeit außerhalb der Berufsgruppe zugemutet werden. Ausführliche Informationen dazu finden Sie hier.

Private Berufsunfähigkeitsversicherung

Obwohl die privaten Versicherungen bekanntlich ja das Geschäft mit der Angst sehr gut beherrschen, ist in diesem Fall die Empfehlung zur privaten Absicherung berechtigt. Denn schwerwiegende Erkrankungen oder Unfälle stellen das gesamte Leben auf den Kopf und bilden trotz staatlicher Rente ein existenzielles Risiko. Dieses Risiko wird in Österreich noch stark unterschätzt.

Die private Berufsunfähigkeitsversicherung leistet, wenn aufgrund eines unvorhergesehenen Ereignisses der Beruf dauerhaft nicht mehr ausgeübt werden kann. Die Berufsunfähigkeit wird in der Regel ähnlich definiert wie bei der staatlichen Berufsunfähigkeitsversicherung – Minderung der Arbeitsfähigkeit um mindestens 50% für mindestens 6 Monate. Ausbezahlt wird je nach Vereinbarung eine vertraglich festgelegte Rente bis zu einem bestimmten Alter bzw. vereinbarten Leistungsende.

VORTEIL: Es gibt keine Mindestversicherungszeiten. So kann man mit einer monatlichen Zusatzrente die magere staatliche Grundabsicherung etwas aufpeppeln und den bisherigen Lebensstandard aufrechterhalten.

NACHTEIL: Die Höhe der Prämie richtet sich nach Risiko, Alter, Vorerkrankungen und riskanten Freizeitsportarten – also nach dem „Auszahlungsrisiko“. Nicht gerade billig ist die Prämie besonders bei Risikoberufsgruppen wie Krankenschwestern oder Bauarbeitern.

LAMIE-TIPP Evaluieren Sie Ihre persönliche Lebens- und Risikosituation und legen Sie für die monatliche Rente im Leistungsfall sowie für die Prämie Ihre persönliche Mindesthöhe fest. Vergleichen Sie die Angebote sorgfältig und prüfen Sie Auszahlungsbedingungen und Ausschlüsse. Die Must-Haves sind: Berufsschutz, Inflationsschutz und eine Auszahlung wie bei der staatlichen Absicherung bereits ab 6 Monaten Berufsunfähigkeit. Außerdem sollte es keine Prämienanpassung bei Berufswechsel geben.

Für wen ist eine private Berufsunfähigkeitsversicherung besonders ratsam?

Junge Singles und Familien

Für junge Menschen ist die staatliche Absicherung im Falle der Berufsunfähigkeit besonders gering. Personen unter 27 Jahren müssen nämlich mindestens 6 Versicherungsmonate vorweisen, sonst besteht kein Anspruch. Aber auch für die über 27-jährigen gilt: Wer am Anfang seiner beruflichen Laufbahn steht, hat nur wenige Beiträge in die staatlichen Pensionskassen eingezahlt und daher würde die staatliche Rente eher mager aussehen.

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Der Schicksalsschlag der Berufsunfähigkeit ist für eine Einzelperson schon schlimm genug, nur schlägt sie wohl mit doppelter Härte zu, wenn man Verantwortung für eine Familie trägt. Bleibt dann nur die staatliche Berufsunfähigkeitspension, ist womöglich das Familieneinkommen nicht mehr gesichert, die noch frische Hypothek am Haus nicht mehr bezahlbar oder die Altersvorsorge nicht mehr finanzierbar. Eine private Absicherung ist deshalb besonders ratsam. Außerdem sind die Prämien im jungen Alter noch geringer.

Selbstständige

Gewerbetreibende stecken ihr ganzes Herzblut und oft auch privates Vermögen in ihr Unternehmen. Umso mehr schmerzt es, wenn man seine geliebte Firma aufgrund von Berufsunfähigkeit aufgeben muss, zumal bei der gesetzlichen Erwerbsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige erst ab einem Alter von 50 Jahren ein gewisser Berufsschutz gilt. In jüngeren Jahren gilt eine Umschulung auf irgendeine Erwerbstätigkeit als zumutbar. Aus diesem Grund ist die private Berufsunfähigkeitsversicherung mit Berufsschutz besonders relevant.

Hand aufs Herz, haben Sie schon einmal an eine private Berufsunfähigkeitsversicherung gedacht? In Österreich ist eine Haushalts- und Haftpflichtversicherung bereits Standard, weil man sein geliebtes Zuhause und sich selbst vor existenzbedrohenden Schäden schützen will. Aber auch bei der Berufsunfähigkeit geht es um die eigene Existenz, finden Sie nicht auch?

 

Alexandra
Alexandra bloggt für den LAMIE Versicherungsblog über allgemeine Versicherungsthemen und Tipps. Außerdem erstellt sie leidenschaftlich gerne Checklisten. Wie alle Mitglieder des LAMIE Teams, möchte sie schwierige Versicherungsfragen auf einfache Weise darstellen. Für Anregungen, Wünsche oder detaillierte Fragen erreichen Sie Alexandra unter blog@lamie-direkt.at