Auto privat kaufen: Was gibt es zu beachten?

Um einen möglichst hohen Erlös zu erwirtschaften, verkaufen und kaufen viele ihre Autos am privaten Automarkt via Willhaben & Co. Der Verkauf an einen Händler ist zwar mit weniger Aufwand verbunden, logischerweise fällt natürlich auch der Erlös geringer aus. Umgekehrt hat man beim Kauf eines Gebrauchtwagens vom Händler oft mehr zu blechen. Hier sollte man jedoch auch nicht außer Acht lassen, dass es dafür gewisse Sicherheiten hinsichtlich Abwicklung und Gewährleistung gibt. Die Ansprüche an den Verkäufer bei einem Privatkauf sind weitaus geringer. Wir beleuchten näher, was der private Autokäufer am Markt beachten sollte, um sich vor Fehlern zu schützen.

Tipps für den Privatkauf von Gebrauchtwagen

1. Sorgfältige Autobesichtigung

Bei der Besichtigung sollten Sie neben einer reibungslosen Probefahrt auf folgende Dinge besonders achten:

  • sind Roststellen erkennbar
  • Beschädigung der Felgen
  • Ungleichmäßig abgefahrene Reifen
  • Spaltmaße von Türen und Haube sind ungleichmäßig
  • übermäßige Lackschäden
  • Bremsscheiben (soweit sichtbar): Rillen und Rost
  • merkwürdige Geräusche bei laufendem Motor
  • Kein gutes Gefühl bei der Probefahrt
  • Lückenhaftes bzw. nicht vorhandenes Serviceheft (Achten Sie besonders auf einen allfälligen Zahnriemenwechsel. Ist dieser bald fällig, verteuert diese das Fahrzeug ungemein)
  • Aktuelles Pickerlgutachten

Mehr dazu in der ÖAMTC Gebrauchtwagen-Checklist.

2. Die Absicherung beim Gebrauchtwagenkauf: Der Ankaufstest

Ist am Fahrzeug eine gültige Begutachtungsplakette („Pickerl“) angebracht, so heißt das noch lange nicht, dass das Fahrzeug auch wirklich in Ordnung ist! Egal, ob man einen Gebrauchtwagen privat oder beim Händler kauft, ein Ankaufstest deckt mögliche Mängel am Fahrzeug auf. Beispielsweise der ÖAMTC bietet dieses Service an.

Findet man beispielsweise im Internet einen sehr günstigen Gebrauchtwagen, so kann dies durchaus ein Fahrzeug mit versteckten Schäden sein. Ohne eine Gewährleistung schaut man hierbei nach dem Kauf durch die Finger.
Achtung: Der Gewährleistungsausschluss muss vertraglich vereinbart sein und gilt ausschließlich beim Kauf von Privaten – hat der Verkäufer einen Mangel listig verschwiegen, können Sie den Vertrag gerichtlich anfechten. Stimmt der Käufer einer Kaufüberprüfung nicht zu, sollten Sie vom Angebot Abstand nehmen

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3. Das Herzstück des Gebrauchtwagen Kaufs: Der korrekte Kaufvertrag

Im Internet finden sich dutzende Vorlagen von KFZ-Kaufverträgen. Wichtig ist auf jeden Fall, dass alle relevanten Daten des Käufers, des Verkäufers und des Fahrzeuges eingetragen werden. Das Wichtigste bei der Erkennung des Fahrzeuges ist die sogenannte Fahrzeugidentifikationsnummer. Halten Sie auch die Kilometeranzahl sowie die Kaufüberprüfung im Vertrag fest. Generell sollten sämtliche Zusicherungen des Verkäufers auch schriftlich festgehalten werden (z.B. mündliche Abreden, die Reparatur offensichtlicher Schäden, sonst sind sie mitgekauft!) Es empfiehlt sich auch, eine Übersicht aller erkennbarer Schäden dem Vertrag anzuschließen, damit klar ersichtlich ist, von welchem Ist-Zustand die Vertragsparteien ausgegangen sind.

4. Rechtliche Ansprüche beim Privatkauf

  • Zwischen Privatpersonen gilt kein Konsumentenschutzrecht.
  • Nach Vertragsabschluss besteht für beide Seiten kein gesetzliches Rücktrittsrecht.
  • Der Kaufvertrag für einen Privatkauf enthält in der Regel eine Passage für den Ausschluss der Gewährleistungspflicht. Das heißt, dass der Käufer für auftretende, nicht ins Auge fallende, Mängel selbst aufkommen muss (z.B. Der Lack löst sich oder generelle Verschleißerscheinungen, die nach der Kilometer-Anzahl des Wagens unüblich sind, wie etwa bei Brems- und Kupplungsscheiben und Keilriemen). Allerdings haftet der Verkäufer sehr wohl, wenn er bewusst einen Schaden verschwiegen hat. Für diesen Fall bestehen die Möglichkeiten der Vertragsanfechtung oder wahlweise der nachträglichen Anpassung des Vertrages (sprich man kann den Teil des Kaufpreises verlangen, den man aufgrund von Unkenntnis des Mangels zu viel gezahlt hat).

5. Die KFZ- Versicherung ummelden

Wird das Fahrzeug verkauft, so muss das umgehend der Versicherung gemeldet werden. Im Normalfall gehen sämtliche Versicherungen (Haftpflicht-, Kasko-, Insassenunfallvers.) auf den Käufer über, wobei sowohl Verkäufer als auch Käufer für offene Prämien haften. Der Käufer kann aber entscheiden, ob er die Versicherung behält oder ob er eine neue Versicherung abschließen möchte. Als neuer Besitzer ist man jedenfalls berechtigt, alle alten Versicherungen mit sofortiger Wirkung zu kündigen („Erwerberkündigung“). Das Kündigungsrecht erlischt allerdings innerhalb eines Monats nach Übergabe.

Achtung: Klären Sie auch, ob der Verkäufer für den Fall eines Unfalles eine entsprechende Versicherung abgeschlossen hat, die Probefahrten abdeckt.

 Weil gerade für junge Menschen nur Gebrauchtwagen eine Option sind, gibt es an dieser Stelle in Sachen KFZ-Versicherung noch ein paar Spartipps für junge Autofahrer.

 

Alexandra
Alexandra bloggt für den LAMIE Versicherungsblog über allgemeine Versicherungsthemen und Tipps. Außerdem erstellt sie leidenschaftlich gerne Checklisten. Wie alle Mitglieder des LAMIE Teams, möchte sie schwierige Versicherungsfragen auf einfache Weise darstellen. Für Anregungen, Wünsche oder detaillierte Fragen erreichen Sie Alexandra unter blog@lamie-direkt.at