Die 3 wichtigsten Obliegenheiten bei Versicherungen

Obliegenheiten: In jedem Versicherungsvertrag gibt es unzählige Vorschriften, die Sie als Versicherungsnehmer einhalten müssen. Doch was sind eigentlich Obliegenheiten und was passiert, wenn man gegen sie verstößt? LAMIE hat für Sie die wichtigsten Informationen zu den allgemeinen Obliegenheiten von Versicherungen zusammengetragen.

Bei Obliegenheiten handelt es sich um sogenannte Rechtspflichten minderer Art. Das heißt konkret, dass ihre Einhaltung gerichtlich nicht durchgesetzt oder eingeklagt werden kann. Bei einer Obliegenheitsverletzung haben Sie allerdings nachteilige Konsequenzen zu tragen: Sie gefährden Ihren Versicherungsschutz, denn der Versicherer wird womöglich leistungsfrei und hat das Recht Sie zu kündigen.

Wenn Sie konkrete Fragen zum Kleingedruckten oder zu den Obliegenheiten in Ihrer Versicherungspolizze haben, dann schicken Sie diese dem LAMIE Schadenshelfer.

Diese drei Obliegenheiten sollten Sie jedenfalls bei all Ihren Versicherungen beachten:

1. Melde- und Anzeigepflicht: Immer brav melden!

Bei Abschluss eines Versicherungsvertrags sind sämtliche risikorelevante Umstände (Wohnungsgröße, Ausstattungswerte, Angabe hochwertiger Gegenstände etc.) vollständig und wahrheitsgemäß bekanntzugeben (vorvertragliche Anzeigepflichten).

Bei bestehenden Verträgen müssen Sie der Versicherung folgende Änderungen sofort melden (vertragliche Anzeigepflichten):

  • jegliche Gefahrenerhöhung wie zum Beispiel die Entfernung einer Sicherheitsvorrichtung, welche vertraglich festgelegt wurde (z.B. eine Alarmanlage). Die Störung der sogenannten Äquivalenz (Verhältnis) zwischen Risiko und Prämie stellt eine Obliegenheitsverletzung dar, die dazu führen kann, dass die Leistung im Schadensfall verhältnismäßig gekürzt wird; und zwar im Verhältnis der vereinbarten Prämie zur angemessenen Prämie bei höherem Risiko.
  • ganz wichtig im Schadensfall: Meldepflicht, Informationspflicht und Mitwirkungspflicht! Der Versicherungsnehmer muss den Schadensfall ehestmöglich dem Versicherer melden, an dessen Aufklärung mitwirken und die erforderlichen Informationen bekanntgeben. Feuerschäden, Diebstahl, Beraubung oder Einbruch sind außerdem sofort der Sicherheitsbehörde zu melden.
  • Beachten Sie, dass beim Verkauf einer versicherten Sache der Versicherungsvertrag mit dem Erwerber fortgesetzt wird. Zeigen Sie die Veräußerung dem Versicherer an. Sie riskieren ansonsten, dass der Versicherer leistungsfrei wird. Sind Sie selbst der Käufer, können Sie den Vertrag innerhalb eines Monats ab Kauf kündigen.

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LAMIE-TIPP Auch die Zerstörung bzw. Wegfall der versicherten Sache müssen Sie der Versicherung umgehend melden. Ansonsten muss die Prämie weiter bezahlt werden, auch wenn es die versicherte Sache gar nicht mehr gibt. Erst durch Meldung des sogenannten Interessefortfalls endet der Prämienanspruch des Versicherers.

2. Auskunfts- und Belegpflicht: Dokumentation, Dokumentation, Dokumentation

Nach Eintritt eines Schadenfalls besteht Auskunfts- und Belegpflicht, das heißt Sie müssen dem Versicherer den Schadenfall nachweisen. Bringen Sie dem Versicherer die erforderlichen Belege und unterstützen Sie ihn bei der Aufklärung des Schadens. Kurz gesagt, dokumentieren Sie den Schaden bestmöglich! Rechnungsbelege und Fotos erleichtern die Abwicklung im Schadenfall.

Denken Sie etwa bei Feuer und Einbruch daran vor der polizeilichen Spurensicherung keine wichtigen Spuren zu verwischen. Das heißt, dass der Schadenszustand prinzipiell nicht beseitigt oder verändert werden darf, außer es ist Gefahr in Verzug oder der Schaden kann dadurch gemindert werden. Womit wir auch schon zur nächsten wichtigen Obliegenheit kommen.

3. Schadensabwendungs- und Minderungspflicht: Schnell handeln!

Die Schadensabwendungs- und Minderungsobliegenheit besagt, dass Sie als Versicherungsnehmer einen drohenden Schaden soweit es geht verhindern oder möglichst klein halten müssen. Am besten befolgen Sie bei einem Schadenfall folgende Schritte:

  1. Dokumentieren Sie den Schaden.
  2. Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei (nur bei Einbruch oder Feuer).
  3. Melden Sie den Schaden bei der Versicherung.
  4. Befolgen Sie die Anweisungen des Versicherers.

Ist sofortiges Handeln gefragt, weil sich der Schaden sonst vergrößern würde:

  1. Schaffen Sie sofort Abhilfe (z.B. Abdrehen des Hauptwasserhahns bei einer undichten Wasserleitung)
  2. Vergessen Sie nicht alles gut zu dokumentieren (mit Fotos!)

Mehr dazu finden Sie in der LAMIE Schadens-Checklist.

LAMIE-TIPP Die Kosten, die Ihnen entstehen, wenn Sie versuchen den Schaden zu mindern, sind versichert. Auch wenn das Handeln seinen Zweck nicht erfüllt.

Wenn Sie diese Verhaltensvorschriften beachten, können Sie häufige Streitfragen im Schadenfall vermeiden und Missverständnissen vorbeugen.

Sie haben selbst schon (negative) Erfahrungen mit Obliegenheiten gemacht oder Ihnen wurde ein Schadenfall aufgrund einer Obliegenheitsverletzung abgelehnt? Schreiben Sie uns doch! Wir freuen uns auf Ihre Kommentare.

Alexandra
Alexandra bloggt für den LAMIE Versicherungsblog über allgemeine Versicherungsthemen und Tipps. Außerdem erstellt sie leidenschaftlich gerne Checklisten. Wie alle Mitglieder des LAMIE Teams, möchte sie schwierige Versicherungsfragen auf einfache Weise darstellen. Für Anregungen, Wünsche oder detaillierte Fragen erreichen Sie Alexandra unter blog@lamie-direkt.at